Sonntag, 30. November 2014

Wind, Wasser, Hundertwasser

Weitere Highlights unserer Rundreise im Norden der Nordinsel waren die Tölpelkolonie in Muriwai Beach an der Westküste und die Bay of Islands an der Ostküste.

Muriwai Beach liegt nur rund eine halbe Fahrtstunde von Auckland entfernt und ist ein typischer neuseeländischer Badeort im Sommer. Am Hang reiht sich eine "Bach" (Wochenend- bzw. Ferienhaus) neben die andere und es gibt einen Dairy (Milchladen/Kiosk oder in Köln "Büdchen"). Der Strand ist fast 60 km lang und hat dunklen Sand. Der Wind bläst kräftig, was darauf schließen lässt, dass hier im Winter der Hund begraben ist. Die Attraktion des kleinen Ortes ist eine riesige Tölpelkolonie, die sich an einer Klippe an einem Ende des Strandes angesiedelt hat.
Die Tölpel - dabei handelt es sich tatsächlich um Vögel und nicht um tolpatschige Menschen;-) nisten zu Hunderten auf den Felsplateaus und lassen sich von den TT (Tölpeltouristen) überhaupt nicht stören. Der starke Wind hilft den Küken, die im Dezember und Januar schlüpfen bei den ersten Flugübungen. Denn wer hier die Flügel ausbreitet wird vom Wind sofort emporgetragen. Uns ergeht es fast ebenso.

Russell
An der Ostküste erwartet uns dafür traumhaftes Wetter mit T-Shirt Temperaturen. Die Bay of Islands ist ein Muss für alle Neuseelandreisenden. 144 Inseln mit herrlichen Sandstränden in türkisblauem Wasser sind in dieser riesigen historischen Bucht anzutreffen. Die ersten Maori haben sich hier angesiedelt, Russell ist die erste permanente Siedlung der Europäer und in Waitangi wurde der entscheidende Vertrag zwischen Briten und Maoris unterzeichnet. Wer hierher kommt interessiert sich jedoch in erster Linie für die Bucht, und die ist nur vom Wasser oder aus der Luft zu erkunden. Also buchen wir in Pahia eine viereinhalbstündige Bootstour, die uns zu den Top Spots der Bay of Islands bringt.

Hole in the Rock
Das ist zunächst einmal das malerische Städtchen Russell mit seinen schmucken Holzhäuschen aus dem 18. Jahrhundert. Es liegt auf einer Halbinsel und ist auf dem Wasserweg in 10 min. zu erreichen. Wer den Weg über die Straße mit dem Auto zurücklegen will, benötigt fast zwei Stunden. Wir nehmen noch Passagiere auf, fahren aber direkt weiter und finden uns schon bald in einer Delfinschule wieder. Die Tiere haben Spaß daran, um die Boote zu schwimmen, drunter herzutauchen und vor unseren Augen Luftsprünge zu machen. Einige Jungtiere schwimmen Seite an Seite mit ihrer Mutter und üben gerade die ersten Sprünge aus dem Wasser. Von uns aus könnte die Fahrt hier enden um weiterhin dem Treiben der sympathischen - weil immer lächelnden Tiere - zuzuschauen.
Doch unser Kapitän und Guide weiß, dass er bei dem stolzen Preis von 75NZ$ (ca. 50 Euro) noch mehr bieten muss. So geht es zunächst weiter zum "Hole in the Rock", einer hoch emporragenden Insel mit einem riesigen Loch, durch das wir auch durchfahren und darin sogar drehen - was angesichts der Strömungen mutig ist.

Urupukapuka
Weiter geht's zur größten und einzigen Insel, die bewohnt werden darf: Urupukapuka Island. Hier gehen wir für eine Stunde von Bord, bewaffnet mit einem Pikkolöchen, einem Bier, einer Coke und zwei kleinen Tüten Chips um ein Picknick am Strand zu machen. Die anderen Bootstouristen erklimmen währenddessen die Hügel oder erkunden die kleine Bucht. Hier kann man auf einem Campingplatz auch übernachten und sich am nächsten Tag wieder abholen lassen. Allerdings sollte man sich vorher mit Nahrungsmitteln eindecken, denn eine Verpflegungsstation gibt es hier nicht. An einer anderen Bucht dieser Insel, an der wir nur vorbeifahren gibt es ein paar Traumhäuser und einen exklusiven Holidaypark vom Feinsten zu sehen.
Zurück geht es vorbei an ein paar weiteren Inselchen mit reichhaltiger Vogelwelt und wahren Kunststückchen treibenden Delfinen. Der Nachmittag auf See hat uns ganz schön angestrengt.

Hundertwasser Toilet
Ganz in der Nähe von Pahia liegt Kawakawa, ein unbedeutender Ort, bis Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (österreichischer Künstler, Wahlheimat Neuseeland) die Idee hatte, hier eine öffentliche Toilette zu errichten. Und so stehen hier Busse und Touristenschlangen vor einem Klo, nicht etwa um eine Notdurft verrichten zu wollen, sondern ein Foto zu schießen. Wir taten beides:-)

Mittwoch, 26. November 2014

Stumme Zeitzeugen

Unsere 8-tägige Rundreise hat uns zunächst vom Südwesten der Nordinsel in den Nordwesten geführt. Rund 800 km von unserem Heimathafen Waikanae Beach liegt der Waipoua Forest mit dem dicksten und mit dem größten heute noch lebenden Kauri Baum. Die Angaben zu ihrem Alter variieren stark. Man schätzt, dass sie zwischen 1.200 und 2.000 Jahre alt sind. Was könnten uns diese uralten Zeitzeugen alles erzählen, wenn sie sprechen könnten?

Zunächst würden sie uns wahrscheinlich von ihren Verwandten erzählen, von den unzähligen Kauri Bäumen, die vor der Besiedlung durch die Maori und später durch die weißen Siedler einfach abgeholzt und dank ihrer Größe und ebenen Stämme hauptsächlich für den Schiffbau verwendet wurden. Im Kauri Museum haben wir gesehen, mit welcher brachialen Gewalt der Mensch sich dieser jahrhundertealten Riesen bemächtigt hat. Es wurden sogar extra Staudämme gebaut, um die Stämme mit Wasserkraft ins Tal zu transportieren. In den Staudämmen wurde das Wasser gesammelt und die Stämme schwammen im See. Wenn genügend Wasser im See war, wurde am Damm ein riesiges Tor geöffnet und unter lautem Getöse drangen Wasser und Holz ins Tal. Mit schmerzverzerrter Baumkrone würden sie von den Gumdiggern erzählen, die ihnen Wunden zugefügt haben, damit ihr Lebenssaft, das wertvolle Harz herausläuft, um es später zu "ernten" und teuer zu verkaufen. Ich hatte das Gefühl, dass die stummen Zeitzeugen noch heute Tränen darüber vergießen.

Sie könnten von den Laufvögeln, wie etwa Moa, Kiwi, Kakapo, Takahe und Weka und vielen anderen mittlerweile zum Teil ausgestorbenen Vögeln berichten. Und uns von dem riesigen Buschland erzählen, dass bis zu 80% der Landfläche auf beiden Inseln ausmachte. Heute sind noch 24% des Landes mit einheimischem Wald bedeckt. Viele Erdbeben und einige Vulkanausbrüche haben sie überlebt und stehen immer noch kerzengerade und fest verwurzelt vor uns. Wir stehen ebenfalls wie angewurzelt vor ihnen und Ehrfurcht macht sich breit. Außer uns bestaunen noch ein paar andere Touristen die "Lords of Forest". Alle stehen oder sitzen zunächst andächtig davor, fast wie bei einer Audienz. Es folgt die obligatorische Fotosession.


"Tane Mahuta" ist nach dem Waldgott der Maori benannt. Mit 51,5 m Höhe, einem Umfang von 13,8 m und einer Holzmasse von 244,5 m 3 ist er der größte noch lebende Kauri.

"Te Matua Ngahere" ist mit 16,4 m Umfang und 208,1 m 3 Holzmasse der dickste Kauri, der heute noch auf der Erde exisitiert. Mit 30 m Höhe ist er zwar etwas kleiner als sein großer Bruder, erscheint aber aufgrund seiner Dicke als ebenso erhaben.

Der größte, durch einen Bericht aus dem Jahr 1919 überlieferte Kauri "Giant Kauri Ghost" lebte bis in die 1870er Jahre und hatte einen Stammdurchmesser von 8,5 m und einen Umfang von 26,8 m.

Seit 2005 hat man festgestellt, dass einige der noch verbliebenen Kauris krank werden und absterben. Schuld daran ist wohl ein schimmelähnlicher Organismus, der weder zu den Moosen noch zu den Pilzen zählt. Wer die Kauri Bäume besichtigen will, muss deshalb zunächst seine Schuhe desinfizieren und darf den angelegten Pfad nicht verlassen.

Heute steht der neuseeländische Kauri Baum - es gibt auch welche in Australien, Polynesien und auf den Philippinen - unter Naturschutz und darf nur noch für rituelle Zwecke von den Maori gefällt werden. Für kunstvolle Schalen oder Dekoartikel verwendet man nur noch kranke oder aus dem Sumpf gezogene Bäume. Die Sumpfbäume haben eine dunklere Farbe und wurden bis zu 50.000 Jahre konserviert. Ein Meter Kauristamm kostet 8.000NZ$ (ca. 5.200 Euro).

Wir haben auch junge Kauri Bäume gesehen und wünschen ihnen, dass sie die Chance haben so alt zu werden wie ihre noch lebenden Vorfahren. Und vielleicht berichten sie dann von vier Deutschen, die ihre Rinde am 19. November 2015 liebevoll gestreichelt haben.

Dienstag, 25. November 2014

Sportlich

Nach einer Woche Rundreise über die Nordinsel melden wir uns heute mit dem nächsten Blogeintrag zurück. Näheres zur Rundreise werden wir nach und nach liefern, da die Erlebnisse aus dieser Woche allein ein Buch füllen würden.

Heute gibt es zunächst einen Überblick über die sportlichen Aktivitäten - des Landes und unserer:
Fangen wir mit unseren sportlichen Aktivitäten an, denn die sind überschaubarer. (Fast) Jeden Morgen gehen wir am Strand walken. Dank Ebbe, Flut und Wind sieht der Strand jedes Mal anders aus und hält meist eine Überraschung, wie etwa einen toten Kugelfisch, lustige Oystercatcher oder schöne Muscheln, bereit. Montags gehe ich zu einem sehr anspruchvollen Pilates-Kurs und ganze zweimal haben wir bereits den Golfschläger geschwungen. Ansonsten wandern wir häufig, mal kurze Strecken, mal längere. Was allerdings noch mehr Spaß macht, bei den eigenartigen Sportarten des Landes zuzuschauen.

So waren wir beispielsweise am 15. November im Stadion von Wellington, um uns mit 25.000 weiteren Besuchern ein Finale des Four Nations Cups im Rugby anzusehen. Die Kangaroos aus Australien standen den Kiwis aus Neuseeland gegenüber. Leider waren es nicht die überragenden "All Blacks", denn es gibt im Rugby scheinbar zwei internationale Ligen. Obwohl wir uns vorher die vereinfachten Regeln des Spiels im Internet angeschaut hatten, waren wir doch recht ahnungslos als wir unsere Plätze einnahmen. Nach einem Vorprogramm mit zwei Musikbands kamen die Mannschaften auf das Spielfeld, um sich aufzuwärmen. Schöne athletische Männerkörper machten vor unseren Augen interessante Dehn- und Aufwärmübungen, sodass uns schon beim Zuschauen warm wurde.
Es folgte der offizielle Einmarsch mit den Nationalhymnen - live gesungen von Tenören - und vor dem Anpfiff, der bekannte "Haka" (Kriegstanz der Maori) des Kiwi-Teams. Die ersten 10 Minuten vergingen und wir langweilten uns, weil wir das Spiel nicht verstanden. So nach und nach bekamen wir allerdings eine Idee davon und danach wurde es interessanter und spannender. Zur Halbzeit - nach 40 Minuten - waren wir so gefesselt von den Spielzügen, dass wir beschlossen bis zum Ende zu bleiben. "Go Kiwi"-Fahnen schwenkend bejubelten wir schließlich den 22:18 Endstand der Kiwis über die Kangaroos und fuhren mit stolz geschwellter Brust mit dem Zug "nach Hause".


Ein weiterer Volkssport, der sich uns noch so gar nicht erschlossen hat, ist Cricket. Es entspricht wohl in weiten Teilen dem American Baseball. Vielleicht lernen wir ja noch einen Spieler kennen, der uns in die Spielzüge einweiht.

Neuseeländer lieben alle Arten von Wassersport, wie etwa Surfen, Kiten, Angeln bzw. Fischen, Segeln, Kayaking, Rafting, Rudern, Stehpaddeln u.v.m. Hier ein paar Bilder dazu:


Die Senioren gehen bzw. fahren auf den Golfplatz, denn jeder noch so kleine Ort hat einen solchen, oder lieben es am Sonntag zu bowlen. Das entspricht nicht etwas unserer Kegelbahn, sondern ähnelt eher dem französischen Boule mit der Variante, dass die Bälle eine ovale Form haben - womit wir wieder beim Rugby sind;-)

In der Mittagspause sieht man in Wellington viele Menschen am Uferkai entlang joggen oder im Fitness-Studio. Radfahren, um einzukaufen oder einfach eine Strecke zwischen A und B zurückzulegen, macht hier keiner. Fahrrad fahren ist eine sportliche Aktivität! Dementsprechend findet man hier in Fahrradgeschäften entweder Rennräder oder Mountainbikes. Diese bittere Erfahrung mussten wir machen, als wir uns "Citybikes" ausleihen bzw. kaufen wollten, um von Waikanae Beach zum 6 km entfernten Einkaufszentrum oder Bahnhof zu kommen. Nun nehmen wir zwangsweise das Auto und machen dann eben Großeinkäufe oder verbinden den Einkauf mit Touren.

Last but not least sind natürlich noch die Extremsportarten zu erwähnen. Immerhin befinden wir uns in dem Land, in dem Bungee-Jumping erfunden wurde. Am Lake Taupo, dem größten See Neuseelands, waren wir Zeuge eines Bungee-Sprungs und staunten über das reichhaltige Angebot an Funsportarten jeglicher Art, wie z.B. Heli-Biking, Skydiving, Hochseilgarten, an den Klippen entlangschwingen, in einem mit Wasser gefüllten riesigen Ball den Hang hinunterrollen. Wir fühlten uns plötzlich schrecklich alt;-), stiegen ins Auto und fuhren zu einem beschaulichen kleinen Strand am See, genossen den Ausblick und picknickten. Hört sich doch auch sportlich an, oder?!


Mittwoch, 12. November 2014

Mum and Dad

Ja, ja, wir haben lange nichts von uns lesen lassen. Hier kommt der Grund: Am Sonntag, den 02.11. pünktlich um 15:30 Uhr (Ortszeit Neuseeland) sind Marlen (74) und Friedhelm (86) Jaspert, die Eltern von Christiane, in Wellington gelandet. Froh gelaunt und ausgeruht kamen sie uns nach 36 Stunden Reisezeit strahlend entgegen. Unglaublich!

Bereits am ersten Morgen nach ihrer Ankunft sind wir gemeinsam am Strand walken gewesen. Sie haben sich direkt gut akklimatisiert und von Jetlag keine Spur. Vielleicht muss ich auch noch älter werden um die 12-stündige Zeitumstellung besser zu verkraften;-)

Letzte Woche war ich bei einem Netzwerktreffen der Soroptimist International Kapiti Coast. Soroptimist steht für "sorores optimae", ein Frauenclub, der sich für die Rechte und Gleichstellung der Frauen einsetzt und viele regionale Vereine unterstützt - vergleichbar mit Rotary oder Lions. Ich bin Mitglied im gleichnamigen Kölner Club und hatte Kontakt zum hiesigen Club aufgenommen. Mit Freude wurde ich zum monatlichen Treffen eingeladen um mich und unseren Club vorzustellen. Die Freude war ganz meinerseits: Ich habe nun tolle Kontakte und unsere ganze Familie wurde gleich von zwei Frauen zum Dinner eingeladen. Eine Frau fragte mich auch direkt "Do you want to become a Kiwi?" Ich habe mir Bedenkzeit erbeten, denn zum Kiwi-Test sind wir schließlich hier.

Beim Treffen habe ich viel über das Familienleben hier erfahren. Neuseeland hat bereits vor 120 Jahren das Frauenwahlrecht eingeführt und war somit das erste Land weltweit, in dem Frauen ihre Stimme abgeben konnten. Die Geburtenrate lag in 2012 bei 2,05 Kindern pro Frau - zum Vergleich: in Deutschland lag sie im selben Jahr bei 1,38 - und dementsprechend sieht man hier viele Familien mit 3 Kindern und reichlich Kindergärten und Schulen. Die meisten Frauen sind berufstätig und schmeißen gleichzeitig den Haushalt. Denn trotz des frühen Wahlrechts für Frauen, sind die alten Rollenmuster auch hier fest verankert. Es fällt allerdings auf, dass die Väter viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, da sie häufig schon um 17 Uhr oder früher ihren Arbeitsplatz verlassen.

Übrigens ist Neuseeland im diesjährigen Ranking der wohlhabendsten Ländern an Platz 3 vorgerückt. Die Kriterien sind Wirtschaft, Unternehmertum, Staatsführung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit und Sozialstruktur. Das spüren wir hier an jeder Ecke. Deutschland liegt übrigens an Platz 14.

Zurück zu Mum and Dad: Eine Woche hatten wir - mittlerweile ja zu viert in unserem Haus - zusätzlich noch Besuch von Freunden meiner Eltern, die eine Neuseeland-Rundreise machen. Und so haben Horst und ich ein "Senioren-Bespaßungs-Programm" auf die Beine gestellt. Das bestand u.a. aus einem Besuch des Te Papa (nein, das heißt nicht Vater/Dad, sondern "Der Ort" bzw. "Mutter Erde") Museums in Wellington, einer Bootstour und anspruchsvollen Wanderung auf Kapiti Island, einem BBQ mit unseren Vermietern, ein paar Spaziergängen und Ruhetagen. Vielleicht lässt sich aus B&B für Senioren ein Geschäftsmodell entwickeln;-)

Samstag, 1. November 2014

Labour Weekend und mit Freunden bei den Glühwürmchen

Hallo zusammen - heute schreibe isch, Horst

Nachdem wir unseren Landlord (Vermieter) ja schon mal kurz kennengelernt hatten (auf einen Long Black in Wellington) kam jetzt die angekündigte Einladung zu einem NZ BBQ bei unseren Landlords zu Hause in Wadstown - gehört zu Wellington. Eine gute Stunde Anfahrt war von mir eingeplant und so kamen wir 15 Minuten zu früh an - ich bin halt immer überpünktlich :-)))
Bis kurz vor Wadstown war alles sehr einfach und dann kam die Anfahrt ans tolle alte Haus von Rocky und Jeanie - Christiane blieb der Atem stehen, so steil und kurvenreich ging es auf den letzten paar 100 Metern zu - also da möchte ich nicht jeden Tag raus und rein fahren. Neben uns hatten Rocky und Jeanie noch ein befreundetes Ehepaar eingeladen - sicherheitshalber falls es mit uns zu langweilig wird - tja, er kannte mich noch nicht richtig.........
Nach dem Aperitiv und ein paar kleinen Häppchen kamen dann auch Andrew mit seiner Frau Susa - er ist ein waschechter Kiwi und sie ist Finnin. Die Getränke mit den Häppchen nahmen wir auf der Außenterrasse zu uns, von der man einen atemberaubenden Blick über Wellington hat - unseren Landlords scheint es also gut zu gehen. Mit dem Abgang der Sonne wurde es frischer und da die Sachen auf dem BBQ auch schon fertig waren, wurden wir zu Tisch nach drinnen gebeten. Ein außergewöhnlich toller Abend mit gutem Essen und netten Leuten war uns beschert und so war die Zeit recht kurzweilig. Nach einem wirklich guten Kaffee bzw Espresso haben wir dann die Rückreise zu unserem Strandhaus angetreten. Ach, fast vergessen: Rocky und Jeanie haben auch einen äußerst liebenswehrten Hund "Harry", der trotz seiner Größe sehr schmusig und leider auch sabbrig ist:-))))))

Montag war Labour Day, also Feiertag. Die Müllabfuhr drehte trotzdem ihre Runden und holte brav unseren Müll ab, Christiane hatte wie jeden Montag ihren Pilates-Kurs und natürlich waren die Supermärkte auf. In den Genuß des freien Tages kommt hier also lange nicht jeder. Da das Wetter auch noch schlecht war, sind wir ins Wohnzimmerkino (24 sofa-ähnliche Sitze mit Beinfreiheit und Abstellfläche für die Getränke) nach Waikanae gegangen und haben einen schönen Familienfilm aus Marokko gesehen. Dank der englischen Untertitel war er für uns gut verständlich.

Dienstag war dann einigermaßen schönes Wetter, aber ab Mittwoch versprach uns der Wetterfrosch Sturm und Regen und da wir ab Donnerstag (30.10.2014) mit Freunden bei den Waitomo Caves zum Glühwürmchen bestaunen verabredet waren, sind wir am besagten Mittwochmorgen schon aufgebrochen und zwar nach New Plymouth (ist in der Nähe von Mt Taranaki / Egmont, Vulkan der über 2.500 m hoch ist) um uns dort in einem Thermalbad zu suhlen. Erstens kommt es anders und zweitens als man(n) denkt:
Auf der Fahrt nach New Plymouth (rd. 300 km entfernt) haben wir Sonne, Wind und Regen geniessen dürfen und sind bei strömendem Regen dann bei der Informationsstelle (iSite) in New Plymouth so gegen 15:30 Uhr ausgestiegen um nach einer Unterkunft zu fragen. Der nette Herr von iSite empfahl uns ein Hotel direkt in der City für 150 NZ$, worauf Christiane antwortete "geht's auch ein bisschen günstiger?" und wir dann ein Motel am Stadtrand gebucht haben, was der schiere Wahnsinn war - eine prächtige Parkanlage mit sehr modernen Studios erwartete uns - und das denn für 90 NZ$ - Man(n) muss Christiane nur machen lassen.
Weil es mittlerweile schon nach 16 Uhr war haben wir uns für eine Parkbesichtigung entschieden - in New Plymouth gibt es sehr viele Parkanlagen, meist aus Besitz von britschen Familien, die den Park dann der Allgemeinheit vermacht haben. Bevor wir dann in den Park abgetaucht sind, haben wir noch einen kleinen privaten Zoo besucht - natürlich ohne Eintrittsgeld - mit ein paar Erdmännchen, kleinen Äffchen und einer begehbaren Voliere mit vielen Vögeln.



Von New Plymouth sind wir am nächsten Tag 180 km nördlich zu den Waitomo Caves gefahren. Für diese Strecke haben wir 2 Std. und 45 Minuten gebraucht. Von Regen und Sturm bis Sonnenschein war wieder mal alles dabei. Hier haben wir dann Freunde (Anja und Theo) getroffen. Anjas Sohn, Janek, ist für mehrere Wochen in den Waitomo Caves um die Fangfäden der Glühwürmchen zu sichern und dann zu erforschen, aus was der Klebstoff besteht mit dem sie ihre Beute fangen. Wir hatten also DEN Glühwürmchen Experten, den man sich nur wünschen kann, dabei :-))))

Nach dem wir unsere Backpacker Bude bezogen hatten, haben wir mit Janek eine kleine Wanderung zu einer Höhle mit ein paar Glühwürmchen gemacht, zu der wir am späten Abend nochmal gegangen sind, um die Glühwürmchen auch zu sehen. Auf unserem Rückweg von der nächtlichen Wanderung haben wir dann noch ein Possum getroffen. Scheu war das nicht, dieses Possum ließ sich überhaupt nicht stören beim Verzehren einer Frucht und danach setzte es sich in Augenhöhe auf einen Ast um sich ausgiebig zu putzen. So putzig die Possums auch aussehen, sie sind eine Plage, schlimmer als Ratten, da sie Allesfresser sind und keine natürlichen Feinde haben. Es bleibt zumindest in Neuseeland dabei: Nur ein totes Possum ist ein gutes Possum - so brutal sich das auch anhört.

Am nächsten Tag, Freitag, der 31.10.2014 (Halloween) war der passende Tag für eine 3-stündige Höhlenführung. Mit unserem Maori Guide - einem der 42 Einwohner von Waitomo - fuhren wir zu den Spellbound Caves. Diese sind zwar nicht ganz so bekannt wie die Waitomo Caves, dafür ist die Führung über 2 Stunden länger und nicht so überlaufen und wie sich später noch rausstellte, erhielten wir weitaus bessere Eindrücke als in der Touristen Glühwürmchenhöhle, wo täglich 600 Touristen durchgeschleust werden. Mit einem Kleintransporter sind wir - 11 Gäste und Manu, unser Guide - dann über eine Schotterpiste zur 1. Höhle gefahren. Diese ist eine sogenannte Trockenhöhle, in der mehr Sedimentablagerungen sind, wie z.B. in unserer Wiehler Tropfsteinhöhle. Dann hatten wir eine kleine Kaffee und Tee Pause, natürlich mit Keksen um danach unsere Tour in einer Glühwürmchenhöhle, in der es sehr feucht ist, fortzusetzen.
Mit Helmen ausgestattet sind wir in einem Schlauchboot ein Stück ins Dunkel gefahren und nachdem unser Guide auf den Rand des Schlauchbootes geschlagen hatte, um Schallwellen zu erzeugen, fingen kurz darauf die Glühwürmchen um die Wette an zu leuchten - die Schallwellen hätten ja Futter sein können.
Sehr beeindruckend unter einem Sternenhimmel in einem Schlauchboot zu sitzen. Die folgen Bilder sprechen für sich:





Nach einer Stärkung sind wir dann so gegen 16 Uhr Richtung "Heimat" aufgebrochen und waren nach 350 km und mehr als 5 Stunden Fahrt endlich wieder in unserem Haus am Strand.