Freitag, 17. April 2015

Vergleichender Rückblick und was jetzt

Nun sind wir schon drei Wochen wieder in Deutschland, der Kalender füllt sich und das vertraute Leben macht sich breit. Doch was ist jetzt, nach einem halben Jahr Auszeit, in denen wir 19.000 km durch Neuseeland gereist sind und jeweils zweieinhalb Monate an festen Standorten lebten, anders? Was haben wir vom anderen Ende der Welt mitgenommen, was zurückgelassen? Wie fühlt sich Deutschland jetzt für uns an?


Unseren Mitmenschen freundlicher begegnen
Nicht, dass wir vorher wirklich unfreundlich waren, doch nun haben wir für jeden, der uns begegnet ein Lächeln übrig und einen Gruß auf den Lippen. Ganz so, wie wir es von den Kiwis gelernt haben. Und was passiert dadurch? Unsere Gegenüber begegnen uns ebenfalls freundlicher. Hoffentlich können wir uns dieses Verhalten lange bewahren.

Gelassener über Dinge hinwegschauen
Der erste Sonntag zuhause, das Wetter ist schön und wir beseitigen im Garten die gröbsten Sturmschäden. Im Naturschutzgebiet hinter unserem Garten hat sich eine Gruppe Jugendlicher versammelt um mindestens eine Stunde lang laute Bummbumm-Musik zu hören. Wahrscheinlich wäre ich vor unserer Auszeit hingegangen und hätte sie gebeten die Musik leiser zu drehen. Jetzt denke ich, wie schön, dass sie ihren Spaß haben und erinnere mich an die lauten Kreissägen und ähnlich krachmachenden Geräte, die in Neuseeland auf jeden Fall am Sonntag angeschmissen wurden. Dagegen ist wummernde Musik geradezu entspannend.

Bilder und Erlebnisse verankert
Unser tolles Haus in Waikanae Beach, der Besuch der Glühwürmchen in den Waitomo-Caves, die Ankunft und Zeit mit meinen Eltern, die 2000 Jahre alten Kauri-Bäume, das Bewandern des Geothermalgebiets mit all seinen Farben und Gerüchen, der Ausflug an die Palliser Bay, die 7 Wochen mit unserer Nichte Anna, das Tongariro Crossing (9-stündige Vulkanwanderung), unser Auto und der platte Reifen, das Schwimmen mit den Delfinen, die Gelbaugenpinguine, Seelöwen und toten Wale, die 30 km Düne Farewell-Spit, das Schwimmen in Kaiteriteri, der Besuch von Claudia, Rani, Louie und Thea, das Wildfoods-Festival in Hokitika, die ehrenamtliche Tätigkeit und natürlich die vielen liebenswerten Menschen, die wir kennengelernt haben - all das und noch viel mehr bleibt für immer fest in unseren Herzen verankert. Diese Erlebnisse und Bilder kann uns keiner mehr nehmen. Sie werden uns in Momenten der Schwäche eine starke Stütze sein.

Vertrauen schenken
Ich kenne kein anderes Land in der Welt, in dem das Vertrauen in andere Menschen so groß bzw. das Misstrauen so gering ist. Hier ein paar Beispiele dafür: Haustüren werden entweder gar nicht abgeschlossen oder haben ein einfaches Zimmertürschloß. Wir waren in unserer zweiten Unterkunft in der Nähe von Nelson nur durch eine Schiebetür von unseren Vermietern getrennt. Jederzeit - auch wenn sie nicht zuhause waren - durften wir ihren sehr offenen Wohnungsteil betreten. Viele Touristen erzählten uns, dass ihnen von Kiwis angeboten wurde ihr Haus zu nutzen, wenn sie im Urlaub seien. Der Schlüssel läge unter der Hausmatte und wenn sie Fragen hätten, sollten sie sich an die Nachbarn wenden. Es gibt unzählige kleine Stände am Straßenrand an denen frisches Gemüse, Obst und Eingemachtes verkauft wird. Das Geld dafür wirft man in eine kleine Kasse. Auch wir versuchen uns im Vertrauen schenken in Menschen, nur die Haustür verschließen wir weiterhin;-)

Gebräunte Haut, gestärktes Immunsystem und frischer Geist
Die meist grauen Winter in Deutschland haben wir gegen einen sonnigen Sommer eingetauscht. Und dank der außergewöhnlich guten Sommertage in Neuseeland bringen wir eine schön gebräunte Haut und ein rundum fittes Immunsystem mit. Zunächst dachte ich, dass mir das Arbeiten und Sitzen am Computer nach so langer Auszeit schwerfallen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Mit erholtem Geist bringe ich frische Ideen ein und kann mich besser auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Dabei bewahre ich mir, mich jeden Tag an der frischen Luft zu bewegen. Mal schauen, wie lange das anhält;-)

Den Wert von Lebensmitteln schätzen
Wisst Ihr eigentlich wie günstig Lebensmittel in Deutschland sind? Bei unserem ersten Einkauf um den Kühlschrank zu füllen, fiel uns das erste Mal auf, dass die Lebensmittel in deutschen Supermärkten nicht ihrem Wert entsprechend verkauft werden. Wie kann es beispielsweise sein, dass ein Kilo Garnelen aus dem weit entfernten Atlantik hier günstiger ist, als in Neuseeland, wo sie direkt aus dem Meer gefischt werden? Milch, Butter, Lamm und Rind gibt es am anderen Ende der Welt im Überfluss und dennoch werden sie nicht zu Schleuderpreisen auf dem heimischen Markt verkauft. Allerdings ist dort die Qualität der Waren auch weitaus besser. Das höhere Lebensmittelpreise Arbeitsplätze vernichten - so wie es hier häufig propagiert wird - hat sich in Neuseeland nicht bewahrheitet. Seit 2002 haben sich die Preise fast verdoppelt, ohne Auswirkung auf die Beschäftigtenzahlen. 


Autoverkehr und öffentliche Toiletten
Das entspannte Autofahren bei einer Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h ohne Drängler und Staus sowie die schön gestalteten öffentlichen Toiletten, dort wo man sie auf jeden Fall benötigt, vermissen wir jetzt schon. Schade, dass die meisten Deutschen so ein beschissenes Verhältnis zu Toiletten haben, die sie nicht selber saubermachen müssen.



Keine Verbote, sondern in die Verantwortung nehmen
"Betreten des Rasens verboten", "keinen Müll hinterlassen", "Hunde nur an der Leine führen", Verbotsschilder gibt es in unserem Land genug. Nicht so in Neuseeland. Dort setzt man auf Verantwortung, wie z.B. die Aufschrift auf öffentlichen Mülleimern "We love our nature" oder "100 km/h is not the aim" (100 km/h sind nicht das Ziel). In allen Kirchen gibt es eine Kinderspielecke und jeder Hundebesitzer hat völlig selbstverständlich Tüten in der Tasche mit denen er den Kot seiner Hunde überall - auch im Wald - entfernt. Solch ein Umdenken würde ich mir für Deutsche wünschen. Zumindest werde ich für mich darüber nachdenken, wo ich dieses Prinzip anwenden kann.

Wie kann ich anderen einen Dienst erbringen und damit eine Freude machen?
Unzählige Male haben wir diese Einstellung in Neuseeland erlebt. Sei es bei einem Touranbieter, der mich abends um 19 Uhr noch anrief um mir zu sagen, dass ich meine Jacke im Bus vergessen habe. Sei es der freundliche Kommunalmitarbeiter, der statt eines Geldbetrags für einen Fahrrad-Guide sagte: "It's a beautiful day". Seien es unsere Vermieter, die alles dafür getan haben, dass wir uns bei ihnen wohlfühlen. Sei es eine Gebühr für eine Bootstour, die uns ohne Aufforderung zurückgezahlt wurde, da mein Vater kurz vorher aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Häufig verzichteten die Kiwis dabei auf den eigenen Profit, nur damit wir uns wirklich wohlfühlten. Das werden wir hier vermissen. Und sollte uns hier diese Einstellung begegnen, werden wir sie lobend erwähnen und weiterempfehlen.

Was wir zurückgelassen haben?
Unseren geliebten Toyota Estima, zwei paar Schuhe, einen Bademantel, eine Steckdosenleiste, die Idee "was andere wohl dazu sagen", Vorurteile über schräge Vögel, neue Freunde und den Winter, der nun ins Land zieht und Kälte und Regen mit sich bringt.

Und was jetzt?
Acht Jahre Planungszeit und das halbe Jahr sind vorüber. Worauf können wir nun hinarbeiten? Das ist die Frage, mit der wir uns im Moment beschäftigen.Welches unserer "Big Five for Live" will noch erfüllt werden? Eine Antwort können wir noch nicht liefern, doch der Weg dorthin ist auch schon zielfüllend.

Dienstag, 31. März 2015

Die letzten Stationen einer unvergesslichen Zeit


Am Sonntag, den 22. März ist es soweit, nach 176 Tagen und einem außergewöhnlichen neuseeländischen Sommer treten wir die Rückreise nach Auckland an. Tränenreich verabschieden wir uns von unserer herrlichen Unterkunft in der Ruby Bay und unseren lieben Vermietern, Gay und Derek. Die Fahrt führt uns zunächst nach Picton, von wo wir um 13:15 Uhr die Fähre nach Wellington nehmen. Der Cyclon Pam, der die Südseeinsel Vanuatu ein paar Tage zuvor komplett verwüstete und die Ostküste der neuseeländischen Nordinsel nur streifte, hat sich mittlerweile verzogen und so verspricht die Überfahrt ruhig zu werden. Das Wetter in der Cook Strait ist allerdings herbstlich. Die Wolken hängen tief und es regnet.

Auch in Wellington ist es bewölkt. Die Vermieter unseres Hauses in Waikanae Beach, Jeannie und Rocky, die in Wellington wohnen, haben uns an diesem Abend zum Essen und zur Übernachtung in ihrem Haus eingeladen. Zu unserer Überraschung haben sie neben uns auch Andrew und Susa, die wir über Jeannie und Rocky kennengelernt hatten, hinzugebeten. Und so ist die Wiedersehensfreude groß. Zudem ist auch ihr Sohn aus England mitsamt seines Freundes und Ziehsohns der Familie aus Australien zu Gast. Es wird ein mit allerlei Themen und Wein angereicherter Abend, der ausnahmsweise mal nicht um 22 Uhr, sondern nach Mitternacht endet. Und zum Abschluss findet jeder einen Schlafplatz in dem schönen viktorianischen Haus über den Dächern von Wellington.

Nach einem typisch neuseeländischen Frühstück – Toast, Marmelade, Peanutbutter, Vegemite und Müsli – verlassen wir wieder unter Tränen uns lieb gewonnene Menschen und Orte. Der Weg Richtung Norden führt uns an Waikanae - unserer ersten langen Station - vorbei. In dem Hospice Shop (Secondhand-Laden), in dem wir so manch Brauchbares erstanden haben, lassen wir eine Kiste mit überflüssigen Dingen zurück und erinnern uns gerne an unsere Erlebnisse in dieser Gegend. Über den Tongariro Nationalpark vorbei an mittlerweile vertrauten Stellen fahren wir nach Taupo, wo wir in einem Backpacker eine weitere Übernachtung einlegen. Da wir früher ankommen als gedacht, bummeln wir noch ein wenig am See entlang und beobachten wie ambitionierte Golfer versuchen eine Plattform auf dem See zu treffen und bei einem Hole-in-One 10.000 NZ$ zu kassieren. Die meisten Bälle landen im Wasser und gerade als wir uns fragen, ob es dort ein Bälle-Massengrab gibt, sehen wir ein Schild, dass Balltaucher gesucht werden. Natürlich mit dem Zusatz, dass es sich dabei um einen der abgefahrensten Jobs der Welt handelt;-)

Und dann haben wir schon Dienstag, unseren vorletzten Tag in Neuseeland. Rund 300 km bis Auckland liegen noch vor uns. Das Wetter Richtung Norden wird wieder besser und wärmer. Gegen 14 Uhr erreichen wir unsere letzte Übernachtungsstätte, die Skyway Backpacker Lodge. Nachdem wir unser Gepäck abgeladen haben, bewegen wir unseren treuen fahrbaren Untersatz zum letzten Ziel, seiner Heimatgarage. Doro und Darren von Kiwi Cruise Control erwarten uns schon. Nach einem kurzen Fahrzeugcheck erhalten wir wie vereinbart 50% des Kaufpreises zurück. Nachdem Doro und Darren ihre Arbeit beendet haben, gehen sie noch mit uns essen und fahren uns anschließend zu unserer Unterkunft. Auch von ihnen fällt uns der Abschied schwer. Doch da sie im Mai und Juni in Deutschland sein werden, versprechen sie, uns in Köln zu besuchen.

Die Nacht schlafen wir unruhig, obwohl die Unterkunft ruhig ist. Wie Filmfragmente ziehen einzelne Situationen aus dem halben Jahr an mir vorbei. Um 7:15 Uhr klingelt nicht etwa der Wecker sondern das Telefon, denn meine liebe Schwester wünscht uns einen guten Rückflug. Da uns der Backpacker Shuttle erst um 10 Uhr zum Flughafen fährt, genießen wir im Garten die letzten Sonnenstrahlen. Ich frage Horst, was uns in dem halben Jahr missfallen hat. Wir müssen lange überlegen und kommen am Ende zum Schluss, dass uns eigentlich nur der starke Neuseelanddollar bzw. schwache Euro, das mäßige Essen in Restaurants und natürlich Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt und Glühwein ein wenig zu schaffen machten. Im Gegenzug fallen uns eine ganze Liste von Begebenheiten und Dingen ein, die uns sehr gut gefallen haben und die das halbe Jahr zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. Davon haben wir in diesem Blog schon größtenteils berichtet. Ein Fazit werden wir im nächsten und wahrscheinlich letzten Bericht ziehen.

Obwohl das öffentliche Leben in der kleinen Nation am Ende der Welt fast stillsteht - die neuseeländische Cricket-Mannschaft hat es wider aller Erwartungen bis ins Endspiel gegen den Erzrivalen Australien geschafft und eine Cricket-WM ist hier vergleichbar mit einer Fußball-WM in Deutschland - läuft am Auckland Airport alles glatt. Das Einchecken unseres Gepäcks ergibt genau 61 kg, was der Dame am Schalter ein "well done" entlockt, und der Abflug unserer Singapore Airline Maschine ist pünktlich. Mit einem dicken Kloß im Hals und viel Wasser in den Augen vergehen die letzten Stunden am Flughafen. Jetzt sitzen wir in der Maschine, vertreiben uns die Zeit mit Bloggen und freuen uns natürlich auf unsere Lieben zu Hause in Deutschland.

Montag, 30. März 2015

Weinselig

Waimea Estates
Neuseeland hat in den letzten Jahren seine Position als Weinland stark ausgebaut, wenngleich ihr Anteil weniger als ein Prozent der weltweiten Weinmenge ausmacht. 255 Millionen Liter Wein werden hier jährlich produziert, Tendenz steigend. 70% davon gehen ins Ausland, doch die Mengen der kleinen Weingüter verbleiben in der jeweiligen Region und werden dort auch in den Supermärkten angeboten. So konnten wir etwa einen hervorragenden Riesling vom Weingut Ruby Bay – direkt um die Ecke unserer Unterkunft – im kleinen Einkaufsladen in Mapua erstehen und genießen. Einige Gegenden und Weingüter haben mittlerweile auch hochprämierte Weine im Sortiment. Am bekanntesten sind die Weingegenden Waiheke Island, Hawkes Bay, Bay of Plenty, Gisborne und Martinborough auf der Nordinsel sowie Marlborough, Canterbury, Otago und Nelson auf der Südinsel. Wobei einige Gebiete Schwerpunktweine haben, wie beispielsweise Pinot Noir aus Martinborough und Sauvignon Blanc aus Marlborough. Interessanterweise sind die neuseeländischen Weinbauern sehr mutig, was den Anbau von exotischen Reben und die Verblendung von Weinsorten betrifft. So findet man neben den Mainstream-Weinen wie Grauburgunder und Chardonnay selbst auf kleinen Anbaugebieten Riesling, Viognier, Gewürztraminer, Grünen Veltliner, Shiraz und viele andere Rebsorten. Rotweine sind noch wenig verbreitet und geschmacklich nur in den hohen Preisklassen ausgereift. Einen hervorragenden Rotwein, Trev’s Red (Syrah, Viognier, Cabernet Franc), haben wir im Waimea Estates in Richmond getrunken.

Neudorf Vineyards
Den Besuch meiner Schulfreundin Thea in unserer letzten Woche in unserer Unterkunft in der Ruby Bay inmitten vieler Weingüter haben wir u.a. dazu genutzt ein paar Weine zu verkosten. Angefangen haben wir mit einer Empfehlung, dem Weingut Neudorf in Upper Moutere. Vor über 35 Jahren haben die Neudorfs angefangen auf Farmland Wein anzubauen. Heute zählen die Weine zu den Besten in der Region um Nelson. Fährt man die Auffahrt zum Weingut entlang einer hohen Ecke öffnet sich am Ende ein idyllischer Platz der direkt zum Weintrinken einlädt. Und wer möchte kann auch gleich sein Picknick mitbringen und auf der Terrasse mit Blick über die Weinberge einen köstlichen Weißwein trinken. Wir verkosten lieber alle angebotenen Weine und entscheiden uns am Ende je eine Flasche Viognier und Chardonnay zu kaufen. Da der Sommer außergewöhnlich gut war, wird an diesem Tag - früher als sonst - mit der Weinlese begonnen und wir werden Zeuge wie die Erntefahrzeuge zwischen den Reben entlangfahren.


Nach dieser guten Erfahrung steuern wir noch ein weiteres außergewöhnliches Weingut in Upper Moutere an, Woollastan Estates. Hier hat ein Amerikaner kräftig investiert und neben einer natürlichen Reifeprozess-Anlage und einem architektonisch interessanten Glaspalast eine Galerie im Weinproberaum eingerichtet. Trotz der tollen Anlage kommt der Wein geschmacklich nicht an die Qualität der Neudorfschen Weine heran und so belassen wir es hier bei der Probe.

Kina Cliffs
Horst und ich waren im Rahmen einer Fahrradtour noch bei einem kleinen Weingut – Kina Cliffs - zur Probe. Vor zehn Jahren hat dieser junge Weinbauer erst begonnen und dafür waren die Weine schon erstaunlich gut. Wir erfahren hier, dass die kleinen Weinbauern nicht selber keltern, sondern sich anderer Keltereien bedienen. Dennoch haben sie eigene Keltermeister, die sie aus der ganzen Welt anheuern und gut bezahlen. Das erklärt wahrscheinlich die gute Qualität der Weine. 
Wir lassen die letzten Abende mit Thea bei den guten Weinen ausklingen. Am Freitagfrüh bringen wir sie zum Intercity Bus nach Nelson, von wo aus sie nach Christchurch fährt um ihren Heimflug anzutreten. Im Gepäck hat sie einen Koffer von uns, was uns die Versendung eines Pakets nach Deutschland erspart. Danke:-)

Am letzten Abend vor unserer Abfahrt zum Flughafen nach Auckland werden wir von unseren lieben Vermietern Gay und Derek noch zum Abendessen mit Nachbarn – Tom und Robin aus Colorado sowie Joyce und Geert aus Holland - eingeladen. Zu den vorab gereichten „Nibbles“, die wir dank des herrlichen Tages auf der Terrasse einnehmen, spendieren wir einen Trev’s Red. Und was bringen Tom und Robin mit? Ebenfalls einen Trev’s Red. Es scheint als hätten wir den gleichen (guten) Geschmack. Der Abend ist abwechslungsreich, weinselig und lustig und so vereinbaren wir beim Verabschieden auf jeden Fall in Kontakt zu bleiben und uns wiederzusehen, in der Ruby Bay oder in Köln auf ein weiteres Gläschen Wein.

Freitag, 20. März 2015

Die Abschiedsdüne

Im äußersten Norden der Südinsel, am Ende der Golden Bay erstreckt sich eine rund 30 Kilometer lange schmale Landzunge, die mit Sand von der Meeresströmung genehrt wird: Farewell Spit (Abschiedsnehrung) ist die längste Sanddüne Neuseelands. Sie ist durch die extrem starken Strömungen in der Cook Street entstanden. Die fortwährende Bewegung häuft den bis zu 20 Meter hohen Sand in einer hakenartigen Form an. Da die Landzunge ständig wächst, gehen waghalsige Vorhersagen davon aus, dass sie irgendwann einmal bis zur Nordinsel reicht. Wir werden das wohl nicht mehr erleben.

Die Nordseite der Landzunge ist karg und den fortwährenden Strömungen sowie teilweise starken Windböen ausgesetzt, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 25 km/h über das Gebiet hinwegfegen. Die der Golden Bay zugewandte Südseite ist geschützter und zu großen Teilen von niedrigwachsenden Pflanzen bedeckt. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist hier gewaltig. Bis zu sieben Kilometer zieht sich das Wasser bei Ebbe zurück, wodurch eine etwa 80 Quadratkilometer große Wattlandschaft entsteht, die ein bedeutendes Nahrungsreservoir für viele verschiedene Vögel, wie etwa Tölpel, darstellt. Allerdings ist die flache Bucht auch eine tödliche Falle für regelmäßig strandende Wale, wovon wir leider Zeuge wurden.

Am 13. Februar 2015 sind über 200 Grindwale an der Südseite von Farewell Spit gestrandet. Zahlreiche Freiwillige haben versucht die bis zu 6 Meter langen Tiere zu retten und mit der Flut wieder ins offene Meer zu treiben. Am Ende konnten sie über 60 Wale retten, während der Großteil an der Küste verendete. Als wir am 17. Februar mit unserem amerikanischen Freund Louie eine Tour zu der Landzunge machten, sahen wir bei Ebbe noch eine tote Walfamilie. Kein schöner Anblick und Geruch, doch faszinierend war es trotzdem.


Farewell Spit ist größtenteils ein Naturschutzreservat, das nur einmal am Tag von einem speziellen Öko-Touranbieter über den Strand angefahren wird und ansonsten für den öffentlichen Zugang gesperrt ist. Wir haben eine Tagestour zum Leuchtturm gebucht, der an der früheren Spitze der Landzunge steht. Im Januar 1891 wurde dieser Leuchtturm aus Stahl eingeweiht, nachdem die vorherige Holzkonstruktion schnell dem Wind zum Opfer fiel. Der Turm ist 30 Meter hoch und das weiße Licht 35 Kilometer weit sichtbar. Der Standort des Leuchtturms war zunächst ohne jede Vegetation und damit ohne Schutz gegen die Sandstürme. Die armen ersten, zweiten und dritten Leuchtturmwärter mit ihren Familien waren in den drei kleinen Holzhäusern den starken Böen schutzlos ausgeliefert. Erst um die Jahrhundertwende gelang es, Kiefern als Windschutz anzupflanzen, nachdem man Pflanzenerde auf den sandigen Untergrund schüttete. Um 1960 wurde der Leuchtturm an die Stromversorgung angeschlossen, um die Öl- und Dieselgeneratoren abzulösen. 1984 verließ der letzte Leuchtturmwärter seinen Posten, nachdem die gesamte Anlage automatisiert und ferngesteuert wurde.

Nach einem Picknick in einem der Leuchtturmwärter-Häuschen machen wir uns im roten Bus wieder auf den Rückweg. Vorbei an Robben und den hohen Sanddünen, die zum Boarden einladen. Unser Bus hat allerdings nur ältere Semester geladen, die sogar den Aufstieg scheuen. Wir kraxeln tapfer nach oben und genießen den Ausblick, bevor wir halb rutschend, halb laufend wieder hinabsinken.

Den Tag beschließen wir mit einem Besuch am Wharariki Beach, nicht weit von der Stelle wo Farewell Spit beginnt. Der Strand, der schon zur Westküste gehört, ist vom Parkplatz aus - der nur über eine Schotterpiste angefahren werden kann - zu Fuß in 30 Minuten zu erreichen, was fast dazu geführt hätte, dass wir darauf verzichten, da es schon 18 Uhr ist. Ich schere mich nicht um das Genörgel der "Jungs" und laufe einfach vorneweg - wenn wir schon einmal hier sind;-) Als wir den Strand schließlich erreichen, sind sich alle einig, es hat sich gelohnt. Vor uns erstreckt sich eine tolle Küstenlandschaft, ckarakterisiert durch einen langen Sandstrand, bizarre Klippen, ausgefallene Bögen und Höhlen und massive Fels- und Sandformationen, die gerne auch von Robben und Seevögeln genutzt werden. Das Licht am frühen Abend und der strahlend blaue Himmel stellen den perfekten Hintergrund für den Abschluss eines ereignisreichen Tags dar, der bereits mit der Abschiedsdüne begonnen hatte.

Und auch unser Abschied naht. Am 22. März setzen wir mit der Fähre auf die Nordinsel über und am 25. geht unser Flieger ab Auckland Richtung Heimat.


Sonntag, 15. März 2015

Wildfoods Festival in Hokitika

Hier kommt ein ganz aktueller Kurzbericht:

Kurz entschlossen sind wir am Freitag nach Hokitika gefahren, um unsere Freunde Chris und Dianne noch einmal zu sehen bevor wir abreisen und am Samstag das legendäre Wildfoods Festival zu besuchen. Also haben wir uns Freitagvormittag nach meinem Pilates-Kurs auf den Weg gemacht. Für die 350 km brauchten wir rund viereinhalb Stunden. Wie fast nicht anders erwartet, war das Wetter an der Westcoast wolkig und regnerisch und die Veranstalter des Festivals unkten schon, dass ihr Event dieses Jahr wohl zum letzten Mal stattfinden würde, da sie nur 3.000 Tickets im Vorverkauf loswurden. Das erfuhren wir von Chris, der mit dem ortsansässigen Rotary-Club ebenfalls involviert war.

Wir genossen jedoch erst einmal einen wunderbaren Abend bei einem "Barbie" (BBQ) mit unseren Freunden und weiteren Hausgästen (Freunde aus England und Verwandschaft). Chris und Dianne haben ein B&B der gehobenen Klasse in der Alpine View Road. Wir bekamen mal wieder den Gold Room mit der herrlichen Ausssicht. Und in der Tat am Samstagmorgen strahlte die Sonne von einem makellos blauen Himmel und die Straße machte ihrem Namen alle Ehre, denn wir sahen die schneebedeckten Gipfel der Südalpen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und langem Austausch über Dieses und Jenes, machten wir uns schließlich gegen 13 Uhr zum Festgelände - ein riesiger Sportplatz - auf. Und siehe da, das traumhafte Wetter lockte dann doch zahlreiche Besucher an. Was wir nicht erwartet hatten, sonst hätten wir uns natürlich als kölsche Jecken entsprechend darauf vorbereitet, waren die zahlreichen kostümierten Menschen. Fast jeder hatte sich mehr oder weniger entsprechend des Wildfood Mottos verkleidet und so gab es neben einem bunten Bühnenprogramm auch einen Kostümwettbewerb. Hier ein paar Eindrücke des bunten Treibens:


Und nun komme ich zum eigentlichen Anlass des Festivals - das wilde Essen. Neben lebendigen und gegrillten Grashüpfern gab es Skorpione im Schnapsglas, frisch aus den Bäumen gepulte Larven in verschiedenen Größen, die man ebenfalls frisch oder gegrillt verspeisen konnte, Lammhoden (Mountain Oysters), Hühnerfüße, Schnecken und natürlich allerlei Gewöhnliches, wie German Sausage, holländische Olle Bolle, Waffeln, Haifisch und Whitebait Fritters (Köderfischchen in einem Eierkuchen). Wir beschränkten uns mehr auf das Zuschauen und die gewöhnlichen Gerichte und probierten nur Schnecken, Haifisch und Kängeruhfleisch, was alles sehr lecker war.

Am Nachmittag machten wir uns dann froh, dass wir den Kurztrip noch eingebaut hatten, wieder auf den Heimweg. Denn heute Morgen hieß es um 6 Uhr aufstehen, da wir einen Großteil unserer Klamotten und hier erworbenen Gebrauchsgegenstände auf dem Flohmarkt verkauft haben.


Donnerstag, 12. März 2015

Abwechslung im Urlaubsalltag

Heute in genau zwei Wochen betreten wir wieder deutschen Boden. Wir können kaum fassen, dass unser halbes Jahr Auszeit schon vorbei sein soll. Das nach wie vor sommerliche Wetter in Neuseeland macht uns den Abschied auch nicht gerade leicht. Was ich jedoch nicht für möglich gehalten hätte, ich habe tatsächlich die Nase voll vom Urlauben und sehne mich nach einer sinnvollen Beschäftigung;-)

Das führte in den letzten Wochen dazu, dass ich mich handwerklich ein wenig betätigt und nach einem ehrenamtlichen Job gesucht habe. Beides ist im Land der leidenschaftlichen Hobby-Heimwerker und Künstler - Ergebnis siehe Fotos - sowie engagierten Helfer leicht möglich. Ich habe in einer Statistik von 2008 einen Ländervergleich des ehrenamtlichen Einsatzes gefunden. Ergebnis: Der Anteil der Bevölkerung, der in 2008 ehrenamtliche Arbeit geleistet hat, betrug in den USA 41,9%, dicht gefolgt von Neuseeland mit 41,53%. Deutschland liegt mit 22,72% unter dem OECD Durchschnitt von 23,78%. Dementsprechend war es auch leicht, in Nelson eine "Volunteer Agency" zu finden, die Ehrenamtsgesuche und -angebote vermittelt. Die Jobs reichen von Sozialarbeit über Unkraut zupfen und Fallen aufstellen in Nationalparks bis hin zur Unterstützung bei Sportveranstaltungen und Kunstprojekten. Gesucht werden alle möglichen Fähigkeiten. Ich habe mich auf der entsprechenden Internetplattform registriert und konnte sofort unter zahlreichen Jobangeboten auswählen. Und was mache ich bzw. wir nun - denn Horst habe ich gleich mitverpflichtet;-)?

Zusammen waren wir bei einem "Orientation Training" für ein Naturschutzgebiet, das in Nelson entstehen soll, das Brook Waimarama Sanctuary. Da gerade der Zaun, der alle ungebetenen Nager (Possums, Ratten, Mäuse, Marder etc.)  fernhalten soll, gezogen wird, ist die Arbeit in dem 715 Hektar großen Gelände, einem ehemaligen Wasserstaubecken mit schönen Wanderwegen, eingeschränkt. Horst und ich sind im Event-Team und hatten bis jetzt zwei Einsätze. Bei einem Volunteer-Meeting in der letzten Woche haben wir uns um die Registrierung der Ehrenamtler und spätere Versorgung mit Tee und Kaffee gekümmert. Und gestern wurden wir spontan an einem Promotionstand auf dem Farmers Market in Nelson eingesetzt, um Flyer zu verteilen. Denn am 22. März ist Tag der offenen Tür im Besucherzentrum des angehenden Naturschutzgebietes. Leider sind wir dann schon auf dem Weg nach Wellington, sonst hätten wir dort natürlich auch geholfen.

Ich habe zudem einen Minijob in einer öffentlichen Kunstgalerie gefunden. Zwei bis drei Stunden in der Woche unterstütze ich Donna, ebenfalls eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, dabei, ein Skateboard Kunstprojekt für Jugendliche mit anschließender Ausstellung zu organisieren, das zum zweiten Mal stattfindet. Donna ist Künstlerin und hat viele tolle Ideen. Was ihr allerdings fehlte, war die Strukturierung der Ideen und das Aufstellen eines Projektplans. Hier konnte ich gut meine Erfahrungen sowohl in der Eventorganisation als auch im Marketing und Coaching einbringen. Das Ergebnis ist trotz der Kürze der Zusammenarbeit super, da Donna für die kommenden Wochen und Monate nun einen Leitfaden und Fahrplan hat. Sie ist total begeistert und möchte die Zusammenarbeit via E-Mail und Skype fortführen. Und ich habe richtig Spaß daran, dass meine Unterstützung so wertgeschätzt wird und freue mich schon auf den Bericht und die Bilder von der Ausstellung:-).

Eine weitere Beschäftigung, die uns gereizt hätte, zu der wir nun leider aber nicht mehr kommen, ist das "Wwoofen". WWOOF bedeutet World-Wide Opportunities on Organic Farms und ist ein weltweites Netzwerk, das von der Idee getragen wird, Menschen zusammenzubringen, die einen naturverbundenen Lebensstil auf dem Land führen oder aktiv kennenlernen wollen. Freiwillige Helfer unterstützen in erster Linie Bio-Bauernhöfe oder Selbstversorger und erhalten im Gegenzug Unterkunft und Verkostung für ihre Dienste. Die Organisation wurde 1971 in England von Sue Coppard gegründet. Insgesamt nehmen mehr als 6.000 ökologische Bauernhöfe in 100 Ländern am Programm teil. Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als 90.000 Menschen Mitglieder in WWOOF-Organisationen. Derzeit haben 60 Länder eine nationale WWOOF Organisation, darunter auch Deutschland. (Quelle: Wikipedia) In Neuseeland ist das Programm sehr beliebt und hat sich mittlerweile auch auf Öko-Läden und -Cafés sowie Öko-Touren und Communities ausgeweitet. In der Regel ist hier ein Wwoofer ein bis drei Wochen bei einem Einsatz bevor er zum nächsten wechselt.

Unser amerikanischer Freund Louie, der uns vom 15. bis 23. Februar an unserem jetzigen Standort besuchte, hat auf diese Weise das Land, die Leute und das Leben hier kennengelernt. Angefangen hat er bei einem Eco-Tour-Anbieter im Tongariro Nationalpark, dann folgte ein Weinbauer in Martinborough bevor er uns besuchte. Wir haben ihn zu einer traumhaften Lodge an den Lake Brunner gebracht, wo er seinen nächsten Einsatz hatte. Die Arbeitszeit beträgt in der Regel 4 bis max. 6 Stunden. Die Arbeit beschränkt sich zumeist auf einfache Tätigkeiten im Garten oder Haushalt, da man in der kurzen Zeit natürlich niemand wirklich anlernen kann. Alle Wwoofer, die wir gesprochen haben, sind sowohl von den Gastgebern als auch von den Tätigkeiten begeistert. Häufig sind sie natürlich in sehr abgelegenen Gegenden bei Selbstversorgern untergebracht. Doch die "mobilfunk- und WLAN-freie Zeit" scheint allen gut zutun. Wir haben uns nun vorgenommen, diese günstige und zugleich abwechslungsreiche Art des Reisens zunächst in Deutschland und dann bei unserem nächsten Neuseeland-Aufenthalt zu testen. Dort ergeben sich bestimmt interessante Inhalte für einen weiteren Blog;-)



Samstag, 7. März 2015

Die goldene Bucht

Öffnet man den Gästeführer "Golden Bay 2014/2015" beginnt die Einleitung mit den Worten, die Golden Bay sei das bestgehütete Geheimnis Neuseelands, da nur eine Straße hineinführt. Es handelt sich also um eine "Sackgassen-Bucht".  Ich habe meine Zweifel, ob die Gegend, die sich von Totaranui im Osten (Abel Tasman Nationalpark) bis Wharariki an der Westküste erstreckt, immer noch ein Geheimnis ist, da wir viele Touristen dort getroffen haben. Fest steht, dass der Weg in die Bucht über den 791 m hohen Takaka Hill, sicher viele abschreckt. "It's just a hill - get over it!" sagen die Kiwis und fahren kurzerhand mit ihren riesigen Campervans und Booten im Schlepptau hinüber. Kurz hinter Riwaka schlängelt sich die Straße in Serpentinen hoch hinauf und beschert einem herrliche Ausblicke zunächst auf die Tasman Bay und etwas später auf die Golden Bay. Und dann geht es steil hinab nach Upper Takaka, am Takaka River entlang in die größte Stadt der Region (rund 1.200 Einwohner) und einstige Hippie-Enklave, Takaka. Ab hier reiht sich ein herrlicher Strand an den anderen bis hin zum Abel Tasman Park auf der einen Seite und zum Farewell Spit, einer etwa 30 km langen Sandformation, über die ich an anderer Stelle noch detaillierter berichten werde, auf der anderen Seite.

Unsere erste Tour in die Golden Bay - der Name kommt übrigens vom Gold, was man auch hier in frühen Tagen der Besiedlung fand - war spontan. Unsere Nichte Anna war noch hier und als wir beim Frühstück überlegten, was wir mit dem Tag so anfangen könnten, beschlossen wir die Golden Bay zu erkunden. Wir wussten nur, dass sie rund 80 km von unserem Standort entfernt ist. Also packten wir unsere Badesachen ein und machten uns auf den Weg. In Motueka nahmen wir noch einen Tramper mit, der sich als deutscher "Wwoofer" entpuppte. Wwoof ist die Abkürzung für World Wide Opportunities on Organic Farms. Auch hierauf werde ich einem der nächsten Blogposts noch näher eingehen. Und so hatten wir bei dieser Fahrt nicht nur unsere erste Begegnung mit den Serpentinen von Takaka Hill, sondern auch mit einem Wwoofer. Gegen Mittag kamen wir schließlich in Takaka an und suchten erst einmal das hilfreiche Besucherzentrum i-Site auf. Ohne konkrete Idee, was wir in der riesigen Golden Bay machen könnten, sammelten wir nur Broschüren ein. Nach einem Bummel durch Takaka - der Hippie-Einfluß ist in den Shops noch deutlich zu sehen - gönnten wir uns ein Real Fruit Eis im Wholemeal, bevor wir an den Strand von Pohara fuhren, wo wir den Nachmittag verbrachten. Und dann hieß es wieder zurück über den "Hügel".

Mittlerweile sind wir die Strecke schon ein paar Mal gefahren und kennen die Kurven. 20 min benötigen wir nun hoch und 20 min runter. Insgesamt fahren wir von hieraus allerdings eine Stunde bis nach Takaka plus die Fahrtzeit, die wir in der Golden Bay benötigen, und das kann gut und gerne eine weitere Stunde sein. Was wir alles erkundet haben?

Riwaka River Spring
Te Waikoropuru Springs
Zunächst einmal waren wir an zwei herrlichen Quellen. Die eine entspringt direkt im Höhenzug des Takaka Hills und kommt diesseits des Berges ans Tageslicht in Form des Riwaka Rivers. Die andere nennt sich Te Waikoropupu Springs, ist kurz hinter Takaka, für die Maori ein heiliger Ort und besteht eigentlich aus drei großen Frischwasser Quellen, die einige Kilometer von der Küste entfernt in 12 bis 14 Meter Tiefe entspringen. 14.000 Liter Wasser dringen hier pro Sekunde aus dem Boden. Damit ist sie die größte Frischwasserquelle Neuseelands. Bis zu 63 m ist die Sicht im Wasser, was nahezu 100% reinem Wasser entspricht. Wir sind von beiden Orten fasziniert und konnten uns kaum losreißen, da die Klarheit des Wassers eine klärende und beruhigende Wirkung ausübt.

The Grove
Von einer Einheimischen bekamen wir den Tipp uns "The Grove" in Clifton, ebenfalls kurz hinter Takaka anzuschauen. Ein kurzer Walkway führt durch ursprünglichen Buschwald und enges Felsgebiet und endet an einem wirklich tollen Aussichtspunkt mitten in einer riesigen Felswand.



Patons Rock Beach
Fährt man von Takaka nach Collingwood - dem letzten etwas größeren Ort bevor die Einsamkeit einen einholt - liegt rechts rund drei Kilometer von der Straße entfernt das Meer und links der Buschwald. Bei Patons Rock machten wir einen Abstecher an die Küste und waren vom weißen, kilometerlang einsamen Sandstrand begeistert. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht so schön, sonst hätten wir uns hier stundenlang aufgehalten. So sind wir weiter nach Collingwood gefahren, haben einen leckeren Kaffee im einzigen Café des Ortes getrunken und uns bei Eco Tours nach Fahrten zum Farewell Spit erkundigt.

Westhaven Inlet
Bei einer weiteren Tour zur Golden Bay haben wir die Fahrräder mitgenommen und sind nach Pakawau, was noch hinter Collingwood liegt und eine Ansammlung von Ferienhäusern und ein paar Farmen beherbergt, gefahren. Von hier aus sind wir mit den Rädern über eine Schotterpiste ins Landesinnere zum Westhaven Inlet geradelt. Hier liegt meines Erachtens eines der wirklich bestgehüteten Geheimnisse der Südinsel, denn es steht nicht im Lonely Planet. Die riesige Lagune ist nahezu menschenleer, zerklüftet, wird durch kleine Flüsse sowie die Tasman Sea an der Westküste gespeist und lässt sich fast komplett umwandern oder umfahren. Wir hatten an diesem Tag Pech. Der Wind blies uns so heftig entgegen, dass wir trotz abschüssiger Teilstrecken kaum vorwärts kamen, geschweige denn auf ansteigenden. Zudem wurde der Schotter auf der Straße gerade erneuert, was die Stabilität beim Fahren nicht gerade erhöhte. So haben wir nur ein kurzes Stück des Inlets erkundet, bevor wir mit Rückenwind den Rückweg antraten.

Marmorfelder
Und last but not least sind wir auf dem Takaka Hill gewandert. Inmitten eines schwarzgrauen Marmorfeldes schlängelt sich ein ca. 3-stündiger Weg zunächst auf den 950 m hohen Gipfel und dann herum um den Berg. Der Aufstieg wird mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Außer einer Wandergruppe, die nur zum Gipfel gelaufen ist, sind wir keiner Menschenseele begegnet. 

Es gibt noch sooooo viel in der Golden Bay zu erkunden. Golden Bay we will see you again!