Samstag, 28. Februar 2015

Sonniges Zentrum von Neuseeland

"Sunny Nelson" macht in diesem Sommer seinem Namen alle Ehre. Über das Jahr verteilt scheint hier die Sonne durchschnittlich 6,9 Stunden pro Tag. Zum Vergleich: Auckland hat 5,5, Christchurch 5,8 und Deutschland im Mittelwert über alle Bundesländer 4,4 Sonnenstunden pro Tag. Für uns scheint die Sonne in diesem Sommer täglich 9 bis 10 Stunden:-)

Nelson ist von unserem Standort in der Ruby Bay, Mapua, rund 35 km entfernt und gut in einer halben Stunde über den Highway 6 zu erreichen. Auf ungefähr halber Strecke liegt Richmond, ein weiterer großer Ort in der Tasman Region. Der Weg dorthin führt uns vorbei an riesigen Weinbaugebieten, jede Menge Obstplantagen und vielen kleinen Siedlungen. An einem Kreisel kurz vor Nelson muss man sich entscheiden, ob man über den Hügel von Bishopdale oder an der Küste über Tahunanui Beach in die Stadt fährt. Attraktiver ist natürlich die Küstenstraße und so kommt es hier aufgrund einer lästigen Ampel tatsächlich ab und an zu längeren Rückstaus.

Boulder Bank
Nelson hat ca. 50.000 Einwohner und die angrenzende Region Tasman noch einmal rund 50.000. Das Gebiet ist aufgrund des gemäßigten Klimas, der attraktiven Nationalparks und der schönen Strände zu einem Magnet für Kiwis und Ausländer geworden. Die Stadtverwaltung - das Nelson City Council - hat sich darauf eingestellt und bietet den Neuankömmlingen beispielsweise die Webseite New2Nelson mit allem Wissenswerten zu Wohnen, Bildung, Beschäftigung u.v.m., sodass man sich als Zugezogener direkt willkommen fühlt. Neben einem kleinen Flughafen besitzt Nelson einen Frachtschiff- und Fischereihafen, die nur über eine enge Zufahrt zu erreichen sind. Grund dafür ist die sogenannte Boulder Bank, eine schmale Landzunge, die sich von der Küste nördlich von Nelson 13 km weit ins Meer erstreckt. Von der südlichen Seite grenzt eine vorgelagerte Insel bis fast an die Boulder Bank. Die enge Zufahrt zum Hafen wurde für große Schiffe freigeschaufelt.

Centre of New Zealand
Gut zu sehen ist das vom angeblichen geografischen Mittelpunkt Neuseelands, einem Hügel hinter dem Zentrum der Stadt. Dieser Mittelpunkt war allerdings nur der Mittelpunkt, um frühe Landvermessungen durchzuführen. Der wahre geographische Mittelpunkt liegt in dichtem Gestrüpp eines Waldes in der Nähe von Tapawera, 35 Kilometer südwestlich von Nelson. Wir sind den steilen Weg zum "Centre of NZ" aufgestiegen - am Drachenfels hat man wenigstens die Wahl zwischen Esel oder laufen - und wurden dafür mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Founders Heritage Park
Nelson ist zugleich eine der ältesten Städte Neuseelands. 1858 wurde Nelson als zweitem Ort das Stadtrecht zuerkannt und das erste staatliche College des jungen Landes eröffnet. Dementsprechend gibt es in der Innenstadt noch ein paar herrliche alte Holzvillen, die zu extravaganten Preisen die Besitzer wechseln. Die Kolonialzeit der Stadt wird in einem Freilichtmuseum, dem Founders Heritage Park, den Touristen nähergebracht. Und mittlerweile hat man auch ein Maori Dorf angegliedert. Wir haben dort am 6. Feburar den Waitangi Day, den nationalen Feiertag zur Friedensvereinbarung (Treaty of Waitangi) zwischen den Briten und den Maori, gefeiert. Ein riesiges Aufgebot von internationalen Künstlern, kulturellen Darbietungen und Speisen lockte viele Besucher.

Eine weitere Attraktivität der Stadt ist das World of Wearable Art & Classic Car Museum. Bei den regelmäßigen Lesern dieses Blogs müsste der Name ein "das-habe-ich-doch-schon-einmal-gelesen" auslösen. Richtig, wir waren in Wellington in der gleichnamigen Show WOW. Die Ursprungsidee stammt von Suzie Moncrieff, einer Skulpturenkünstlerin aus Nelson, die 1987 eine ländliche Galerie mit dieser neuen Art der Inszenierung von künstlerischen Werken vermarkten wollte. 200 Zuschauer kamen in den Gemeindesaal von Nelson, um eine Show zu sehen, in der Kunstwerke von der Wand genommen wurden um sie auf der Bühne zu präsentieren. 2005 war der Rahmen in Nelson zu klein und so entschloß man sich nach Wellington zu gehen, wo man heute ein riesiges Publikum erreicht. Über 300 Designer aus Neuseeland und Übersee reichen ihre Werke jedes Jahr ein, 170 Finalisten schaffen es auf die Bühne. Natürlich kommen die meisten Künstler aus dem kreativen, professionellen Umfeld, aber auch viele enthusiastische Amateure sind unter den Bewerbern.

Jährlich finden von Dezember bis Februar im Rahmen des "Summer in Nelson" viele Veranstaltungen statt. Wir waren von dem umfangreichen Programm begeistert und haben das Buskers Festival - Straßenkünstler aus der ganzen Welt treten auf und leben vom Trinkgeld, das sie in ihren Hüten einsammeln, Street Beat - Musik auf der Straße,  Outdoor Theatre "In 80 Tagen um die Welt" und ein Klavierkonzert im Rahmen eines internationalen Kammermusik Festivals besucht. So viel in Kultur machen wir über das ganze Jahr verteilt in Köln nicht;-)


Durch Zufall sind wir dann noch an einer Premiere für Nelson vorbeigekommen und konnten uns an der guten Stimmung gar nicht satt sehen. Die "Monster Slide" wurde auf einer abschüssigen Hauptstraße in Nelson City aufgebaut, um Jung und Alt einen Monster-Rutsch-Spaß zu bescheren. Leider waren wir zu spät und ausnahmsweise mal ohne Badesachen (heißen hier übrigens "togs") unterwegs. Köln hat natürlich viel für ein Millionenpublikum zu bieten, aber was Nelson dazu im Vergleich für schlappe 50.000 Einwohner tut, zeigt wie aktiv die Stadtväter und -mütter am Image der nördlichsten Stadt auf der Südinsel arbeiten. Der kilometerlange Sandstrand von Tahunanui Beach mit seinen vielen Freizeitangeboten hinter den Dünen erhöht den Lebenswert um einen weiteren Faktor und so ist es nicht verwunderlich, dass 2012 in der Region die höchste Zuzugsrate Neuseelands verzeichnet wurde. Das sonnige Zentrum von Neuseeland wäre auch unsere bevorzugte Wohngegend, wenn wir mal länger als ein halbes Jahr übersiedeln würden.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Eintauchen - Abtauchen - Auftauchen

Wassersport ist sehr verbreitet in Neuseeland. Kein Wunder, denn fast jeder Ort ist von der Tasman Sea, dem Pazifik, einem See oder Fluß umgeben. Und so ist es ganz natürlich, dass man ein Boot oder zumindest ein Kajak besitzt, surft oder kitet, mit der Harpune auf Tauchfang geht oder die Angel auswirft. Besonders angetan sind wir von einem 10-minütigen Werbespot über Seahorse Electric Kontiki. Das mit Akku betriebene, mit GPS versehene und ferngesteuerte Gefährt taucht ins Wasser und zieht vom Strand aus eine Angelschnur mit bis zu 25 Ködern 2.000 m ins Meer. Wenn der ambitionierte Angler also Glück hat, fängt er mit einem Schlag 25 Fische! Natürlich gibt es dazu jede Menge Zubehör, welches das Anglerherz höher schlagen lässt.

Trotz des tollen Werbespots, können wir mit dem Angelsport nicht warm werden und entscheiden uns lieber für das Paddeln. Gemeinsam mit Anna haben wir uns für die geführte "Birdsong, Beaches & Seals Paddle & Walk Tour" bei Abel Tasman Sea Kayak angemeldet. Es verspricht wieder einer dieser herrlichen Sonnentage zu werden, als wir pünktlich um 7:45 Uhr beim Anbieter in Motueka auf den Hof fahren. Unser Guide Pino ist weiblich, blond, sportlich und kommt ursprünglich aus Schweden. Außer uns sind noch drei Franzosen in der Gruppe, die allerdings nach einer gemeinsamen Einführung alleine weiterpaddeln wollen. Wir besteigen einen Kleinbus mit Hänger und geladenen Kajaks und werden zunächst nach Marahau, unserem Einstiegspunkt ins Wasser, gebracht. Sobald wir angekommen sind, heißt es zupacken. Die Boote und Paddel vom Hänger laden, die Schwimmwesten und wasserdichten Taschen auspacken und uns schon einmal wassertauglich kleiden. Anschließend machen wir ein paar Trockenübungen mit dem Paddel und, da es Zweierkajaks sind, bekommt der Hintermann noch ein paar Anweisungen zum Lenken mit den Pedalen. Viel wert wird auf das "Benehmen" auf See gelegt, denn das Wetter kann in dieser Gegend schnell umschlagen, und das eben noch ruhige Wasser verwandelt sich in ein Wellenbad. Auch ist der hohe Unterschied zwischen Ebbe und Flut - bis zu 5 m - in dem relativ flachen Gewässer der Tasman Bay nicht zu unterschätzen.

Um kurz vor neun, werden wir dann endlich - in dicke Schwimmwesten gehüllt - zu Wasser gelassen. Ja, Ihr habt richtig gelesen, wir müssen das Kajak nicht selber ins Wasser bringen und versuchen in das wackelige Ding zu kommen. Wir sitzen im Boot und werden von Pino ins Wasser gezogen:-) Anna sitzt bei Pino im Boot, während Horst und ich uns ein Kajak teilen. Das Paddeln im gemeinsamen Rhythmus fällt uns leicht und so sind wir schnell den anderen ein paar Paddelzüge voraus. Die Franzosen tun sich schwer, halten das Paddel oft verkehrt herum und können die einfachsten Notrufzeichen nicht wiederholen, weil sie des Englischen nicht so mächtig sind. Pino gibt sich viel Mühe, da diese Gruppe allein mit den Kajaks unterwegs sein wird. Wir warten geduldig und üben ein paar Wendemanöver ohne dabei zu kentern. Und dann nehmen wir Fahrt auf und paddeln entlang der wunderschönen kleinen Buchten des Abel Tasman National Park Richtung Adele Island, einem Vogel- und Seehundreservat. Schon von Weitem hört man das Vogelgezwitscher. Leider begegnet uns auf der Fahrt dorthin ein kleiner toter blauer Pinguin, der auf der Wasseroberfläche dahintreibt. Und leider sind wir in dieser herrlichen Gegend auch nicht alleine unterwegs. An allen Ecken tauchen Segelboote, Kajaks, Wassertaxen und Ausflugsschiffe auf. Wir genießen trotzdem das Dahingleiten auf dem klaren Wasser und sind nach drei Stunden ganz überrascht, dass wir unsere Zielbucht schon erreicht haben. Ich hatte mir Paddeln anstrengender vorgestellt. Mit einem kräftigen letzten Paddelzug gelangen wir an den goldenen Sandstrand, steigen aus und suchen den Schatten, denn die Sonne strahlt jetzt zur Mittagszeit unbarmherzig heiß.

Nach einem kurzen Bad im Meer und einem Picknick heißt es Wanderschuhe anziehen und rund 10 km den Abel Tasman Coastal Track zurücklaufen. Drei Stunden hat der Veranstalter dafür veranschlagt, an die wir uns auch halten sollten, da wir am Ende der Strecke um 16:30 Uhr vom Busshuttle abgeholt werden. Wir kennen die Strecke in die andere Richtung, da wir 2006 den 3-tägigen kompletten Coastal Track gemacht haben. Und so freuen wir uns, dass tatsächlich an einigen Punkten Bilder aus vergangenen Tagen hochpoppen. "Weißt Du noch? Hier haben wir ....." Am Ende verfallen wir fast in unser Walkingtempo, denn die Zeit wird knapp und der Weg zieht sich. Just on time, gemäß deutscher Pünktlichkeit, und völlig erschöpft erreichen wir den Treffpunkt mit dem Ergebnis, dass wir noch 20 Minuten auf unseren Shuttle warten müssen. Immerhin gibt es hier "Real Fruit Icecream" zum Abkühlen!

Ein weiteres "Ein- und Abtauch-Erlebnis" haben wir in Kaiteriteri, einem Ort mit zwei Buchten, die goldfarbene Sandstrände haben. Kaiteriteri ist auch bei den Kiwis sehr beliebt und so werden wir Zeuge, wie in den noch andauernden Schulferien viele ihre Boote zu Wasser lassen, um mit Kindern beladene Schwimmreifen oder Wasserskiler hinter sich herzuziehen, wie wahre Picknickorgien in Großgruppen stattfinden und der Strand für neuseeländische Verhältnisse "überfüllt" ist. Durch Zufall sind wir zur richtigen Zeit an diesem Ort, denn gerade als Anna und ich die Wassertemperatur testen, sehen wir, wie durch einen engen Abflußkanal das Wasser aus einer großen Lagune ins Meer gezogen wird. Die Ebbe hat eingesetzt und in dem Kanal wird somit eine natürliche Wasserstromanlage in Gang gesetzt, die wir sonst nur aus Spaßbädern kennen. Ganz ungefährlich ist der Spaß hier allerdings nicht, denn wir werden mit unglaublicher Kraft auf das offene Meer gezogen und in dem Kanal verstecken sich ein paar mit Muscheln besetzte Felsen, an denen man besser nicht vorbeischrappt. Unauffällig schwimmt am Ende des Sogs ein Paddelboot um Hilfesuchende zu bergen und wir können relativ lange noch stehen bzw. aus dem Sog seitlich rausschwimmen. Also nutzen wir eifrig den Riesenspaß aus, denn nach rund einer Stunde ist der Wasserstand so niedrig, dass man mit dem Hintern über den Sandboden schleift.

Nach herrlichen gemeinsamen sieben Wochen taucht Anna leider ab oder besser gesagt schwingt sich in den Flieger Richtung Deutschland. Sie fehlt uns und so tauchen wir ein in unsere Zweisamkeit und suchen andere Zerstreuung in Form von Fahrradtouren...
und später tauchen auch noch weitere Besucher aus Deutschland auf...

Dienstag, 24. Februar 2015

Einzug ins zweite "Übergangsheim"

In genau 4 Wochen ist unser letzter Tag in Neuseeland. Es wird also Zeit, dass ich nun in (gefühlter) Windeseile über die vergangenen anderthalb Monate an unserem zweiten Standort berichte. Und da wir die nächsten 2 Wochen "gastfrei" sind und uns langsam das Geld für aufwändige Unternehmungen ausgeht, werde ich genug Zeit haben über unsere Erlebnisse zu berichten.

Der Einzug in unser neues Heim war vom Feinsten: Die Sonne strahlte von einem makellos blauen Himmel und unsere Vermieter, Gay und Derek, erwarteten uns freudestrahlend am Ende einer rund 200 m langen Einfahrt am Tor. Ihr Haus, in dem sie auch selber wohnen, steht auf einem 6.000 qm großen Grundstück auf einem Hügel an der Ruby Bay, umgeben von Feldern und fünf verstreuten Nachbarn - natürlich mit Blick auf die riesige Tasman Bay und Nelson. Wir haben den hinteren Teil des Hauses bezogen. Unsere beiden Schlafzimmer waren mit Blümchen aus dem Garten dekoriert, frische Früchte standen auf dem Tisch im Wohnzimmer und ein Kännchen Milch wartete im Kühlschrank. Doch zunächst wurden wir zu einem kleinen Imbiss auf die Terrasse mit Swimmingpool! gebeten. Da es schon später Nachmittag war, gab es Wein, Bier und ein paar herzhafte Snacks und die Aufforderung den mit Solar beheizten Pool zu nutzen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Nach drei Wochen Leben aus dem Koffer tat es gut an einen heimeligen Ort zu kommen und so herzlich willkommen zu sein:-)

Fantail
Tui
Den 10 m langen Pool nutzen wir jeden Morgen für unseren Frühsport, während der Gesang eines Tuis oder das Gezwitscher von Fantails uns begleiten. Die beiden Terrassen unseres Appartements - eine mit Blick auf die Bay und die andere mit Blick auf die Berge - geben uns die Möglichkeit zu wählen, wo wir unser Frühstück einnehmen wollen. Und dann entscheiden wir, was wir mit dem Tag beginnen. Seit wir hier sind, hatten wir zwei Regentage, fünf bewölkte Tage und sonst nur Sonnenschein. Die Tagestemperaturen schwanken zwischen 19 und 30 Grad und nachts kann es schonmal auf 10 Grad runtergehen. Fast täglich werden wir mit frischen Zucchinis und Äpfeln aus dem Garten versorgt. Ab und zu gibt es Pflaumen, Zitronen, Brombeeren, Pfirsiche und was der riesige Garten sonst noch so her gibt.

Auch wenn das Appartment, in welchem wir hier leben, viel kleiner ist als das Haus in Waikanae Beach, fühlen wir uns superwohl. Wir genießen das enge Zusammenleben mit unseren sehr netten und humorvollen Vermietern, da wir viel von Land und Leuten erfahren und zudem unser Englisch verbessern können. Am Wochenende kommen manchmal die Nachbarn um den Pool zu nutzen. Sie bringen ein paar Snacks und etwas Wein mit, man badet, sitzt ein paar Stunden zusammen und hat einen netten Spätnachmittag. Wir werden immer dazu gebeten und lernen so Tom und Robin aus den USA, Geert und Joyce aus Holland, Judy, Claire, Ray und Irene aus Neuseeland kennen. An der Mischung ist leicht zu erkennen, dass keinesfalls nur Kiwis in dieser Gegend wohnen. Das Klima und die Gegend in der Tasman Bay sind so angenehm, dass es Menschen aus der ganzen Welt anlockt.

Hier ging im Juni 1843 nach sechs Monaten auf See auch ein deutsches Schiff, die St. Pauli, mit den ersten deutschen Siedlern vor Anker. Die Neuankömmlinge gründeten 1843 Sankt Paulidorf, das jedoch schon nach gut einem Jahr wegen Überflutungen aufgegeben werden musste. Weitere Schiffe aus Deutschland folgten und 1850 wurde das Dorf Sarau - ganz in der Nähe unseres jetzigen Standorts - gegründet, das erst 1917 in Upper Moutere umbenannt wurde. Noch heute gibt es das Sarau Festival in Upper Moutere, welches wir auch besucht haben und wo wir viel über die deutsche Geschichte der Region erfuhren. Am Ortseingang von Upper Moutere deutet ein Schild darauf hin, dass der Ort früher einmal Sarau hieß. Upper Moutere ist eine große, weit vertreute Gemeinde. Auf den umliegenden Feldern werden hauptsächlich Obst, Oliven, Wein und Hopfen angebaut. Deutsch wird heute unter den Einwohnern nicht mehr gesprochen. Lediglich der Tourismus oder ein Gang auf die Friedhöfe hält die Erinnerung an die deutsche Siedlungsgeschichte des Ortes und des Umlands wach. So verweist der heutige Besitzer des "Moutere Inn" gerne auf die mehr als 160-jährige Geschichte seines Gasthofs mit deutschem Ursprung und behauptet der älteste Pub Neuseelands zu sein. In der St. Paul's Lutheran Church läutet jeden Sonntag um 9:30 Uhr eine Glocke, natürlich von Hand betrieben. Noch immer gibt es auch einige Namen, die von der deutschen Besiedlung zeugen. Das Dorf Neudorf oder Ranzau als Wahlbezirk, die Ranzau Road, Ranzau Church oder die Ranzau School, und natürlich die Weingüter Neudorf, Seifried und Himmelsfeld.

Dass die Gegend auch heute noch bei deutschen Immigranten beliebt ist, kann man an der Brotvielfalt erkennen. Endlich bekommen wir wieder richtig gutes Brot und müssen nicht mehr selber backen oder in knatschiges Toastbrot beißen. Die Bäckerei "Antonius" in Richmond und Motueka wird tatsächlich von einem Abkommen der Kölner Traditionsbäckerei "Balkhausen" in der Apostelnstraße geführt. Die Nußecken sind hier genau so köstlich - oder vielleicht sogar noch ein bisschen besser - wie die im Kölner Laden;-) German Sausages, Leberkäse und Currywurst kann man bei einem deutschen Metzger in Nelson erwerben und das Restaurant "Kraut's" wirbt tatsächlich mit Jägerschnitzel und Schweinshaxe. Das geht uns dann allerdings doch zu weit. Das mediterrane Klima zieht neben Deutschen auch Italiener, Schweizer, Holländer, Griechen und viele andere Europäer an. Mit Spezialitäten aus ihren Heimatländern locken sie viele Kiwis und Touristen an ihre Marktstände bei den Farmers Märkten in Motueka und Nelson. Eine echte Kiwi-Spezialität ist allerdings die "Real Fruit Icecream", hergestellt aus frischen tiefgefrorenen Früchten und erstklassigem Vanilleeis. Yummy!

Schier unendlich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bietet das Umland in einem Radius von 150 km. Marlborough Sounds im Norden, Nelson Lakes im Nordosten, Kahurangi National Park im Südosten, Golden Bay und Abel Tasman National Park im Süden und vieles mehr. Einiges davon haben wir schon erkundet und werden wir noch erkunden. Und so könnt Ihr Euch vorstellen, dass es in den nächsten Tagen ein paar spannende Berichte zu lesen gibt;-)

Donnerstag, 12. Februar 2015

Rauhe Schönheit - Die West Coast

Während Ihr Euch wahrscheinlich gerade in die jecke Kleidung schmeißt und Euch in andere Personen verwandelt, habe ich mich hingesetzt, um über die letzte Etappe unserer Rundreise zu berichten. Wir stoßen um 11:11 Uhr mit Euch an und lassen hier ein lautes "Kölle Alaaf" über die Bucht schallen.

Kurz nachdem man Queenstown bzw. die Bungy Jumper auf der Kawarau Bridge hinter sich gelassen hat, kommt lange, lange, lange, um genauer zu sein 207 km lang nichts. Rechts ein langer See (Lake Hawea, 35 km), links ein noch längerer See (Lake Wanaka, 42 km) und dann nur noch Berge, die Ausläufer der Southern Alps. Nach fast 3 Stunden Fahrtzeit landet man in Haast, einem verschlafenen Nest fast am Ende der West Coast. Diese erstreckt sich auf der Südinsel über 600 km zwischen Awarua Point und dem Kahurangi Nationalpark und grenzt die neuseeländischen Alpen von der Tasman Sea ab. Schroffe Klippen, massive Berge und dichte Regenwälder bestimmen das Landschaftsbild, das gleichermaßen wild wie malerisch erscheint. Es regnet viel in dieser Gegend, weshalb sie wohl auch eher dünn besiedelt ist. Greymouth, Westport und Hokitika sind die drei größten Orte. Mit rund 30.000 Einwohnern ist es die am dünnsten besiedelte Region Neuseelands. Die Menschen, die hier leben, sind wie die Region eher schroff und lieben das abgeschiedene Dasein. Früher, zur Goldgräberzeit, war das anders. Hokitika wurde beispielsweise als Goldgräbersiedlung gegründet und zählte zwei Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1866 mit über 6.000 Einwohnern zu den größten Siedlungen im damaligen Neuseeland.

Nachdem wir also Haast passiert haben, genießen wir die Fahrt auf dem Highway 6 an der Westküste entlang. Unser erster Stopp bringt uns an den Fox Gletscher. Wie schon geschildert, hängen sich die von Westen kommenden Wolken gerne an den Alpen auf und die Wahrscheinlichkeit, dass die Berge wolkenverhangen sind, ist hier bei durchschnittlich 170 Regentagen im Jahr hoch. Dieses Mal haben wir kein Glück, denn die Berge verbergen sich auch vor uns. Immerhin können wir bei der Wanderung zur Gletscherzunge, die bis weit ins Tal - 300m über Meeresspiegel - hineinreicht, das untere Drittel des Gletschers sehen. Von 1985 bis 2007 dehnte sich der Gletscher überwiegend aus, seit 2009 schmilzt er aber wieder. 15.000 Millimeter Niederschlag pro Jahr tragen dazu bei, dass der Fox Gletscher und sein Nachbar, der Franz Josef Gletscher, sich mit einem Meter pro Woche vorwärtsschieben. Ein über dem Franz Josef Gletscher abgestürztes Flugzeug wurde deswegen bereits nach vergleichsweise kurzen sieben Jahren wieder vom Eis ausgespuckt. Die hohe Fließgeschwindigkeit ergibt sich unter anderem durch das viele Wasser, das über Wasserfälle rechts und links des Eises unter den Gletscher fließt und so als eine Art Gleitmittel dient. Ein bisschen Farbe in die eher triste Landschaft bringt ein Kea auf der Suche nach Nahrung.

Wir verlassen das Gletschergebiet und fahren weiter Richtung Norden und damit Richtung schöneres Wetter. Auf der Höhe von Ross, einer weiteren ehemaligen Goldgräbersiedlung haben wir bereits strahlenden Sonnenschein und so beschließen wir unser Glück beim Gold Digging zu versuchen. Mit Schaufel, Schale und einer kurzen Anleitung bewaffnet, gehen wir zum Fluß, der uns die Urlaubskasse aufbessern soll. Die markierte Stelle, an der wir buddeln dürfen, ist natürlich schon von anderen Glückssuchenden durchlöchert worden. Da das frische Wasser jedoch ab und zu neues Geröll mit sich bringt, sind wir zuversichtlich und laden unsere Schüttelschalen mit Sand und kleinen Kieseln voll. Wir rütteln und schütteln und rütteln und schütteln und ... was kommt am Ende dabei raus: nichts. Also, wieder eine Schüppe Dreck in die Schale und das ganze von vorne. Etwa eine Stunde geben wir uns der Schüttelei hin. Dann sind unsere Füße vom Wasser eiskalt, die Sandflys haben zugestochen, die Sonne hat uns fast verbrannt und was haben wir in unserer Schale gefangen? Eine runde Spaß;-)

In Hokitika, der heutigen Stadt des Jadesteins, machen wir eine Kaffeepause und einen Spaziergang am endlosen Strand, in der Hoffnung wenigstens einen Jadefund zu machen. Doch die Steine, die im feuchten Zustand wunderbar grün leuchten, sind stumpf und grau, sobald sie getrocknet sind. Wieder nur Spaß;-) Da wir an diesem Tag noch nach Greymouth wollen, um mal wieder eine 1a Backpacker Unterkunft - Global Village - zu beziehen, halten wir uns allerdings nur kurz in Hokitika auf.

Greymouth macht seinem Namen alle Ehre als einstige Kohleregion. Doch daher kommt der Name gar nicht. Die Stadt wurde nach dem Grey River, der wiederum nach einem berühmten neuseeländischen Politiker benannt wurde, und seiner Mündung (mouth) benannt. Der Abbau von Kohle führte immerhin dazu, dass heute eine der bekanntesten und schönsten Bahnstrecken hier startet, der TranzAlpine. Der Zug mit Außenplattform schlängelt sich hinauf zum Arthur's Pass auf 737m um sich dann auf der anderen Seite durch wilde Schluchten und fruchtbare Ebenen bis Christchurch zu erstrecken. Wir hatten die Fahrt bei unserem letzten Besuch in 2006 gemacht und können sie absolut empfehlen. Dieses Mal leihen wir uns kostenlos die Räder vom Hostel und radeln mit einer Flasche Wein und Knabberzeug bewaffnet zum Kiesstrand, denn hier soll es die tollsten Sonnenuntergänge geben. Wir hören es tatsächlich fast zischen, als der glutrote Ball langsam ins Wasser taucht und einer sternenklaren, kühlen Nacht Platz macht.

Die letzte Station an der West Coast sind die Pancake Rocks, bevor wir durch die Buller Gorge den Weg über das Landesinnere zu unserem zweiten Übergangsheim antreten. Die Pancake Rocks wurden nach ihrem Aussehen benannt, denn in der Tat sehen sie aus wie übereinander gelegte Pfannkuchen. Die Tafeln am Eingang zum kleinen Rundweg besagen, dass das Geheimnis des Aussehens bis heute nicht wirklich gelüftet ist. Fest steht, dass vor rund 30 Millionen Jahren übereinander geschichtete Ablagerungen von Kalksedimenten und Tonmineralien unterschiedlich schnell erodieren. Wodurch allerdings die sonderbare Form entstanden ist, weiß man nicht. Wir verlassen das rauhe Gebiet, das tatsächlich ein wenig auf unser Verhalten abgefärbt hat und nähern uns unserem letzten Urlaubsabschnitt und einem freundlicheren Umgang.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Das Mekka des Adrenalinkicks

Queenstown, einen krasseren Gegensatz zur Ruhe und Abgeschiedenheit der Catlins kann man sich in Neuseeland kaum suchen. Hier findet die/der Abenteuerlustige jegliche bekannte und unbekannte Extremsportart, wie Flying Foxes & Swing, Climbing, Abseiling, Canyoning, Rafting, River Surfing, Skydiving, Hanggliding, Mountaineering im Winter und vieles mehr. Hier wurde das Bungy Jumping von A.J. Hackett erfunden. Hier pulsiert das Leben in den Straßen. Hier gibt es original italienisches Eis und einen Burgerladen (Fergburger), an dem die Hungrigen Tag und Nacht Schlange stehen. Hier kann man viel Geld loswerden.

Wir waren das letzte Mal vor 12 Jahren in Queenstown um von dort unseren 5-tägigen Milford Track anzutreten und hatten die Stadt als klein und beschaulich in Erinnerung. Das hat sich komplett geändert, Queenstown hat 20%ige Zuwachsraten und ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein sehr begehrtes Ausflusgziel. Der Flughafen wird sogar von Maschinen aus Australien angeflogen. Queesntown liegt auf 358m am malerischen Lake Wakatipu am Rande der Neuseeländischen Alpen auf der Südinsel und bietet somit optimale Bedingungen für die Sportfreaks.

Die Anfahrt entlang des Lake Wakatipu ist äußerst malerisch. Wir erreichen die Stadtzone und sind sofort inmitten des Trubels. Das Publikum hier ist deutlich jünger als in anderen neuseeländischen Touristenzentren. Unsere Backpacker Unterkunft, die gemäß der Bewertung im BBH Katalog gut sein soll, liegt fußläufig zum Zentrum und trotzdem einigermaßen abseits. Wir finden uns hier zwischen Adrenalinjunkies wieder, die scheinbar in der Zeit, in der sie keinen Kick bekommen, vor ihren digitalen Geräten hängen, die ganze Nacht Computerspiele zocken oder Musik hören und viel Alkohol konsumieren. Wie es scheint haben sich hier (Teilzeit-)Aussteiger aus der ganzen Welt versammelt um dem konservativen Arbeiten oder Lernen zu entfliehen und einfach jede Menge Spaß zu haben. Mich faszinieren und deprimieren diese jungen und manchmal auch schon etwas älteren Leute gleichermaßen. Wahrscheinlich sind sie noch auf der Suche nach ihrer Bestimmung.

Wir bummeln also in die City, wieder einmal bei herrlichem Sonnenschein und hohen Temperaturen, und verschaffen uns bei einem leckeren Eis einen Überblick. Anna hat für den nächsten Tag Ziptrek gebucht und so überlegen wir schon einmal, ob wir gemeinsam mit der Gondel hochfahren oder den steilen Aufstieg in Kauf nehmen. Als wir den Preis für die Gondelfahrt erfahren, entscheiden wir uns spontan für das sportliche Programm. Am kleinen Seestrand schauen wir dem bunten Wassersporttreiben zu und lassen uns von den Gauklern verzaubern.

Der Gang ins Bad am nächsten Morgen führt vorbei an vielen leeren Wein- und Bierflaschen sowie dreckigen Tischen. Manchmal ist das Backpacker Dasein abstoßend. Immerhin ist das Bad sauber, das Frühstück lecker und das Wetter schön;-) Wir erklimmen die Bergstation auf dem Bob's Peak und werden mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Nach einer kleinen Stärkung machen wir uns auf zur Ausgangsplattform für den Ziptrek, erledigen die Formalitäten und schon hängt Anna in einem sicheren Geschier am Seil und lässt sich durch den Wald den eben erklommenen Hang mit lautem Gejuchze hinuntergleiten. Vier Plattformen steuert sie an bevor sie strahlend den Weg wieder hinaufkommt, während Horst und ich im sicheren Liegestuhl von der Sonne bestrahlt auf sie warten. Horst möchte den steilen Berg nicht hinabsteigen und gönnt sich eine Gondelfahrt. Anna und ich kraxeln hinab und schauen den anderen Ziptrekern zu.


Bevor wir am nächsten Tag Queenstown und das bunte Treiben verlassen, machen wir noch einen Halt an der Quelle des Abenteuertourismusses, an der Kawarau Bridge, wo sich wie am Fließband einer nach dem anderen in die Tiefe stürzt, gehalten durch ein Gummiseil. Schlappe 195 NZ$, also rund 150 Euro kostet das Vergnügen bzw. Unvergnügen, das nur einen Sekundenbruchteil dauert. Aber natürlich macht es sich auf Facebook, Youtube und Konsorten gut, als besonders mutig zu erscheinen. Uns ist unsere Gesundheit wichtiger. Wir sehen fasziniert zu, wie manche schnell, manche nur nach großer Überwindung von der Plattform springen und investieren das hier gesparte Geld lieber in ein leckeres Essen oder einen guten Wein in einer ruhigeren Gegend.

Montag, 2. Februar 2015

Fast allein ganz im Süden

Zwischen den beiden südlichsten Städten der Südinsel, Dunedin und Invercargill, liegen die Catlins. Das Gebiet der Catlins umfasst etwas über 1.900 km², dehnt sich entlang eines etwa 90 km langen Küstenstreifens etwa 50 km ins Landesinnere aus und ist mit insgesamt 1.200 Bewohnern sehr dünn besiedelt. Es erhielt seinen Namen vom Catlins River, der wiederum nach Kapitän Edward Cattlin, einem Walfänger, der 1840 von einem Maori Häuptling für Musketen und £30 (dies entsprach 2005 etwa NZ$ 3.000) ein großes Stück Land entlang des Flusses kaufte. Neuseelands Landkommissare verweigerten diesen Kauf zu genehmigen, und die Maori erhielten nach langen Verhandlungen, die erst über ein Jahrzehnt nach Cattlin's Tod endeten, einen großen Teil des Landes zurück. (Quelle: Wikipedia)

Wir nähern uns von Dunedin und biegen kurz hinter Balclutha auf die Küstenstraße SH92 ab, die uns in endlosen Kurven durch Busch- und Weideland führt. Orte? Schule, Kirche und 3 bis 5 Häuser! Geschäfte oder Tankstellen? Fehlanzeige! So wird entsprechend auch in jedem Reiseführer darauf hingewiesen, dass man sich vor einer Fahrt in die Catlins mit reichlich Benzin und Nahrungsmitteln eindecken sollte. Wir haben uns das natürlich vorher nicht angesehen und sind entsprechend froh, als wir neben unserer Backpacker Unterkunft in Waikawa einen Fish'n'Chips Imbiss vorfinden. Zudem haben wir immer unsere komplette Nahrungsausrüstung dabei, sodass wir die nächsten zwei Tage wohl ohne Supermarkt auskommen. In einer WG-ähnlichen Bruchbude teilen wir uns das Haus mit einem Pärchen aus Irland und drei Holländerinnen. Unser Gastgeber fordert uns per Hinweisschild dazu auf, ihn anzufrufen, sobald wir eingetroffen sind. Gegenüber ist eine kleine Kapelle, hinter der Imbissbude gibt es ein winziges Museum und irgendwo in der Ferne stehen noch ein paar Häuser. Das ist Waikawa, was so viel wie "Saures Wasser" heißt und wahrscheinlich mit der riesigen Flussmündung zusammenhängt, die bei Ebbe trocken ist.

Da wir immer noch nicht genug von den Gelbaugenpinguinen haben, zieht es uns in der frühen Dämmerung an die Curio Bay, einer Bucht voller Holzfossilien. Auch hier wird dank ehrenamtlicher Helfer und Absperrungen extrem darauf geachtet, dass die Pinguine, die gerade ihre Küken großziehen nicht gestört werden. Wir wundern uns, wo die vielen Menschen herkommen, die sich hier versammelt haben, um die befrackten Gelbaugen zu beobachten. Die Antwort folgt fast auf dem Fuß: Auf einmal spricht mich eine bekannte Stimme mit "Hallo Christiane" an. Ich drehe mich um und sehe Doro, unsere Autoverkäuferin aus Auckland, in die Augen. Was für ein Zufall! Sie und ihr Mann Darren machen gerade Urlaub und sind mit einem Campervan auf dem nahegelegenen Campingplatz. Daher kommen also die Touristenströme. So warten wir gemeinsam auf die Pinguine und werden reichlich belohnt. Einer nach dem anderen lässt sich nach getaner Arbeit, sprich Beute fangen, an Land spülen und watschelt über die versteinerten Bäume an den bewachsenen Hang, um seinen Fang mit der Familie zu teilen. Ganz in der Nähe unserer Beobachtungsplattform höre ich lautes Vogelgeschrei. Als mittlerweile kundige Pinguinbetrachterin weiß ich, dass es sich um einen Pinguin handeln muss, der seinen Partner ruft. Ich schaue, ob ich im Gebüsch etwas entdecken kann, und siehe da, ganz in unserer Nähe hockt ein Weibchen oder Männchen - soweit reicht meine Kenntnis dann doch nicht - mit einem Küken. Wir legen uns auf den Boden um besser sehen zu können, was natürlich einen magnetischen Effekt auf alle anderen Beobachter hat. So lassen wir die anderen schauen und unterhalten uns ausgiebig mit Doro und Darren.
 

Für den nächsten Tag hat uns unser Vermieter eine Route von West nach Ost vorgeschlagen. Das Wetter meint es wieder gut mit uns, wenn man bedenkt, dass es in dieser Region durchschnittlich 200 Tage im Jahr regnet. Und so beginnen wir am Waipapa (Wachstum) Point mit seinem goldenen Sandstrand, einem Leuchtturm und Seelöwen. Als wir dort ankommen, robbt sich gerade ein Seelöwe von gewaltigem Ausmaß einen Weg hoch, der normalerweise für Menschen vorgesehen ist. Ohne Rücksicht auf ein paar verstreute Touristen und uns wackelt er zielstrebig Richtung Dünen, dreht sich noch einmal um und verschwindet dann hinter einem Hügel. So fängt der Tag ja schon einmal vielversprechend an.

Den südlichsten Zipfel der Südinsel "Slope Point" sparen wir uns, denn hier gibt es wirklich nichts Besonderes zu sehen. Wir fahren stattdessen ein wenig ins Landesinnere nach Waipohatu (Stein des Wassers) um dort einen dreistündigen Rundweg anzutreten, der uns zu einem Wasserfall bringen soll. Am Parkplatz gibt es wie wirklich an jedem Ausgangspunkt eines neuseeländischen Wanderweges einen Picknickplatz und eine Toilette. Zwei weitere Autos parken hier noch, ansonsten Stille. Wir rüsten uns also mit Wanderschuhen, -stöcken, Wasser und etwas Verpflegung aus und losgeht es in den Busch. Der Wanderweg ist zwar gut ausgeschildert, jedoch recht anspruchsvoll, da er feucht ist, Bäche überquert werden müssen und zwischendurch auch ein paar Steilstücke dabei sind. Es macht Spaß und wir begegnen tatsächlich nur einer einzigen Familie während den gesamten dreieinhalb Stunden. Belohnt werden wir überdies mit zwei tollen naturbelassenen Wasserfällen inmitten der Wildnis. Zurück am Parkplatz haben wir uns das Picknick mehr als verdient.

Der nächste Halt ist an der Purpoise Bay, wo die Holländerinnen aus unserem Backpacker Hostel gerade einen Surfkurs absolvieren und man angeblich Hector Delphine - mit bis zu 1,50 m der kleinste Vertreter der Wale - beobachten kann. Der Strand lädt zum Verweilen ein und so dösen wir ein wenig vor uns hin, beobachten die kraftraubenden Versuche der Mädels und warten darauf, dass die Delfine aus dem Wasser springen. Das tun sie leider nicht, denn wie wir später erfahren, reiten sie ebenso wie die Surfer auf den Wellen und man muss einfach ins Wasser gehen, um sie zu sehen. Verpasst, schade!

Mittlerweile ist es schon später Nachmittag und so beschließen wir, früh unser Abendessen zuzubereiten und anschließend noch zu den Cathedral Caves zu fahren, die angeblich zur Ebbe gegen 20 Uhr noch einmal begehbar sind. 20 km sind es bis dorthin und als wir ankommen, ist das Tor verschlossen. Auch hier handelt es sich um privates Land und der Besitzer entscheidet, wann er das Gatter für die Touristen öffnet. Obwohl er auf seiner Webseite die Öffnung am Abend angekündigt hatte, konnte er sich dann wohl doch nicht mehr aufraffen. Nun ja, ein paar Schwächen dürfen die hiesigen Bewohner auch haben;-) Wir sind flexibel und haben spontan ein anderes Ziel in der Einöde gefunden, die MacLean Falls, ein weiterer imposanter Wasserfall, den wir zu so später Stunde für uns alleine haben. Damit beschließen wir unser Programm in der Einsamkeit und sind tief beeindruckt. Am nächsten Tag heißt es wieder früh aufstehen, da wir einen langen Weg über Invercargill nach Queenstown vor uns haben. Zurück in die Zivilisation.