Donnerstag, 26. Februar 2015

Eintauchen - Abtauchen - Auftauchen

Wassersport ist sehr verbreitet in Neuseeland. Kein Wunder, denn fast jeder Ort ist von der Tasman Sea, dem Pazifik, einem See oder Fluß umgeben. Und so ist es ganz natürlich, dass man ein Boot oder zumindest ein Kajak besitzt, surft oder kitet, mit der Harpune auf Tauchfang geht oder die Angel auswirft. Besonders angetan sind wir von einem 10-minütigen Werbespot über Seahorse Electric Kontiki. Das mit Akku betriebene, mit GPS versehene und ferngesteuerte Gefährt taucht ins Wasser und zieht vom Strand aus eine Angelschnur mit bis zu 25 Ködern 2.000 m ins Meer. Wenn der ambitionierte Angler also Glück hat, fängt er mit einem Schlag 25 Fische! Natürlich gibt es dazu jede Menge Zubehör, welches das Anglerherz höher schlagen lässt.

Trotz des tollen Werbespots, können wir mit dem Angelsport nicht warm werden und entscheiden uns lieber für das Paddeln. Gemeinsam mit Anna haben wir uns für die geführte "Birdsong, Beaches & Seals Paddle & Walk Tour" bei Abel Tasman Sea Kayak angemeldet. Es verspricht wieder einer dieser herrlichen Sonnentage zu werden, als wir pünktlich um 7:45 Uhr beim Anbieter in Motueka auf den Hof fahren. Unser Guide Pino ist weiblich, blond, sportlich und kommt ursprünglich aus Schweden. Außer uns sind noch drei Franzosen in der Gruppe, die allerdings nach einer gemeinsamen Einführung alleine weiterpaddeln wollen. Wir besteigen einen Kleinbus mit Hänger und geladenen Kajaks und werden zunächst nach Marahau, unserem Einstiegspunkt ins Wasser, gebracht. Sobald wir angekommen sind, heißt es zupacken. Die Boote und Paddel vom Hänger laden, die Schwimmwesten und wasserdichten Taschen auspacken und uns schon einmal wassertauglich kleiden. Anschließend machen wir ein paar Trockenübungen mit dem Paddel und, da es Zweierkajaks sind, bekommt der Hintermann noch ein paar Anweisungen zum Lenken mit den Pedalen. Viel wert wird auf das "Benehmen" auf See gelegt, denn das Wetter kann in dieser Gegend schnell umschlagen, und das eben noch ruhige Wasser verwandelt sich in ein Wellenbad. Auch ist der hohe Unterschied zwischen Ebbe und Flut - bis zu 5 m - in dem relativ flachen Gewässer der Tasman Bay nicht zu unterschätzen.

Um kurz vor neun, werden wir dann endlich - in dicke Schwimmwesten gehüllt - zu Wasser gelassen. Ja, Ihr habt richtig gelesen, wir müssen das Kajak nicht selber ins Wasser bringen und versuchen in das wackelige Ding zu kommen. Wir sitzen im Boot und werden von Pino ins Wasser gezogen:-) Anna sitzt bei Pino im Boot, während Horst und ich uns ein Kajak teilen. Das Paddeln im gemeinsamen Rhythmus fällt uns leicht und so sind wir schnell den anderen ein paar Paddelzüge voraus. Die Franzosen tun sich schwer, halten das Paddel oft verkehrt herum und können die einfachsten Notrufzeichen nicht wiederholen, weil sie des Englischen nicht so mächtig sind. Pino gibt sich viel Mühe, da diese Gruppe allein mit den Kajaks unterwegs sein wird. Wir warten geduldig und üben ein paar Wendemanöver ohne dabei zu kentern. Und dann nehmen wir Fahrt auf und paddeln entlang der wunderschönen kleinen Buchten des Abel Tasman National Park Richtung Adele Island, einem Vogel- und Seehundreservat. Schon von Weitem hört man das Vogelgezwitscher. Leider begegnet uns auf der Fahrt dorthin ein kleiner toter blauer Pinguin, der auf der Wasseroberfläche dahintreibt. Und leider sind wir in dieser herrlichen Gegend auch nicht alleine unterwegs. An allen Ecken tauchen Segelboote, Kajaks, Wassertaxen und Ausflugsschiffe auf. Wir genießen trotzdem das Dahingleiten auf dem klaren Wasser und sind nach drei Stunden ganz überrascht, dass wir unsere Zielbucht schon erreicht haben. Ich hatte mir Paddeln anstrengender vorgestellt. Mit einem kräftigen letzten Paddelzug gelangen wir an den goldenen Sandstrand, steigen aus und suchen den Schatten, denn die Sonne strahlt jetzt zur Mittagszeit unbarmherzig heiß.

Nach einem kurzen Bad im Meer und einem Picknick heißt es Wanderschuhe anziehen und rund 10 km den Abel Tasman Coastal Track zurücklaufen. Drei Stunden hat der Veranstalter dafür veranschlagt, an die wir uns auch halten sollten, da wir am Ende der Strecke um 16:30 Uhr vom Busshuttle abgeholt werden. Wir kennen die Strecke in die andere Richtung, da wir 2006 den 3-tägigen kompletten Coastal Track gemacht haben. Und so freuen wir uns, dass tatsächlich an einigen Punkten Bilder aus vergangenen Tagen hochpoppen. "Weißt Du noch? Hier haben wir ....." Am Ende verfallen wir fast in unser Walkingtempo, denn die Zeit wird knapp und der Weg zieht sich. Just on time, gemäß deutscher Pünktlichkeit, und völlig erschöpft erreichen wir den Treffpunkt mit dem Ergebnis, dass wir noch 20 Minuten auf unseren Shuttle warten müssen. Immerhin gibt es hier "Real Fruit Icecream" zum Abkühlen!

Ein weiteres "Ein- und Abtauch-Erlebnis" haben wir in Kaiteriteri, einem Ort mit zwei Buchten, die goldfarbene Sandstrände haben. Kaiteriteri ist auch bei den Kiwis sehr beliebt und so werden wir Zeuge, wie in den noch andauernden Schulferien viele ihre Boote zu Wasser lassen, um mit Kindern beladene Schwimmreifen oder Wasserskiler hinter sich herzuziehen, wie wahre Picknickorgien in Großgruppen stattfinden und der Strand für neuseeländische Verhältnisse "überfüllt" ist. Durch Zufall sind wir zur richtigen Zeit an diesem Ort, denn gerade als Anna und ich die Wassertemperatur testen, sehen wir, wie durch einen engen Abflußkanal das Wasser aus einer großen Lagune ins Meer gezogen wird. Die Ebbe hat eingesetzt und in dem Kanal wird somit eine natürliche Wasserstromanlage in Gang gesetzt, die wir sonst nur aus Spaßbädern kennen. Ganz ungefährlich ist der Spaß hier allerdings nicht, denn wir werden mit unglaublicher Kraft auf das offene Meer gezogen und in dem Kanal verstecken sich ein paar mit Muscheln besetzte Felsen, an denen man besser nicht vorbeischrappt. Unauffällig schwimmt am Ende des Sogs ein Paddelboot um Hilfesuchende zu bergen und wir können relativ lange noch stehen bzw. aus dem Sog seitlich rausschwimmen. Also nutzen wir eifrig den Riesenspaß aus, denn nach rund einer Stunde ist der Wasserstand so niedrig, dass man mit dem Hintern über den Sandboden schleift.

Nach herrlichen gemeinsamen sieben Wochen taucht Anna leider ab oder besser gesagt schwingt sich in den Flieger Richtung Deutschland. Sie fehlt uns und so tauchen wir ein in unsere Zweisamkeit und suchen andere Zerstreuung in Form von Fahrradtouren...
und später tauchen auch noch weitere Besucher aus Deutschland auf...

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