Dienstag, 24. Februar 2015

Einzug ins zweite "Übergangsheim"

In genau 4 Wochen ist unser letzter Tag in Neuseeland. Es wird also Zeit, dass ich nun in (gefühlter) Windeseile über die vergangenen anderthalb Monate an unserem zweiten Standort berichte. Und da wir die nächsten 2 Wochen "gastfrei" sind und uns langsam das Geld für aufwändige Unternehmungen ausgeht, werde ich genug Zeit haben über unsere Erlebnisse zu berichten.

Der Einzug in unser neues Heim war vom Feinsten: Die Sonne strahlte von einem makellos blauen Himmel und unsere Vermieter, Gay und Derek, erwarteten uns freudestrahlend am Ende einer rund 200 m langen Einfahrt am Tor. Ihr Haus, in dem sie auch selber wohnen, steht auf einem 6.000 qm großen Grundstück auf einem Hügel an der Ruby Bay, umgeben von Feldern und fünf verstreuten Nachbarn - natürlich mit Blick auf die riesige Tasman Bay und Nelson. Wir haben den hinteren Teil des Hauses bezogen. Unsere beiden Schlafzimmer waren mit Blümchen aus dem Garten dekoriert, frische Früchte standen auf dem Tisch im Wohnzimmer und ein Kännchen Milch wartete im Kühlschrank. Doch zunächst wurden wir zu einem kleinen Imbiss auf die Terrasse mit Swimmingpool! gebeten. Da es schon später Nachmittag war, gab es Wein, Bier und ein paar herzhafte Snacks und die Aufforderung den mit Solar beheizten Pool zu nutzen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Nach drei Wochen Leben aus dem Koffer tat es gut an einen heimeligen Ort zu kommen und so herzlich willkommen zu sein:-)

Fantail
Tui
Den 10 m langen Pool nutzen wir jeden Morgen für unseren Frühsport, während der Gesang eines Tuis oder das Gezwitscher von Fantails uns begleiten. Die beiden Terrassen unseres Appartements - eine mit Blick auf die Bay und die andere mit Blick auf die Berge - geben uns die Möglichkeit zu wählen, wo wir unser Frühstück einnehmen wollen. Und dann entscheiden wir, was wir mit dem Tag beginnen. Seit wir hier sind, hatten wir zwei Regentage, fünf bewölkte Tage und sonst nur Sonnenschein. Die Tagestemperaturen schwanken zwischen 19 und 30 Grad und nachts kann es schonmal auf 10 Grad runtergehen. Fast täglich werden wir mit frischen Zucchinis und Äpfeln aus dem Garten versorgt. Ab und zu gibt es Pflaumen, Zitronen, Brombeeren, Pfirsiche und was der riesige Garten sonst noch so her gibt.

Auch wenn das Appartment, in welchem wir hier leben, viel kleiner ist als das Haus in Waikanae Beach, fühlen wir uns superwohl. Wir genießen das enge Zusammenleben mit unseren sehr netten und humorvollen Vermietern, da wir viel von Land und Leuten erfahren und zudem unser Englisch verbessern können. Am Wochenende kommen manchmal die Nachbarn um den Pool zu nutzen. Sie bringen ein paar Snacks und etwas Wein mit, man badet, sitzt ein paar Stunden zusammen und hat einen netten Spätnachmittag. Wir werden immer dazu gebeten und lernen so Tom und Robin aus den USA, Geert und Joyce aus Holland, Judy, Claire, Ray und Irene aus Neuseeland kennen. An der Mischung ist leicht zu erkennen, dass keinesfalls nur Kiwis in dieser Gegend wohnen. Das Klima und die Gegend in der Tasman Bay sind so angenehm, dass es Menschen aus der ganzen Welt anlockt.

Hier ging im Juni 1843 nach sechs Monaten auf See auch ein deutsches Schiff, die St. Pauli, mit den ersten deutschen Siedlern vor Anker. Die Neuankömmlinge gründeten 1843 Sankt Paulidorf, das jedoch schon nach gut einem Jahr wegen Überflutungen aufgegeben werden musste. Weitere Schiffe aus Deutschland folgten und 1850 wurde das Dorf Sarau - ganz in der Nähe unseres jetzigen Standorts - gegründet, das erst 1917 in Upper Moutere umbenannt wurde. Noch heute gibt es das Sarau Festival in Upper Moutere, welches wir auch besucht haben und wo wir viel über die deutsche Geschichte der Region erfuhren. Am Ortseingang von Upper Moutere deutet ein Schild darauf hin, dass der Ort früher einmal Sarau hieß. Upper Moutere ist eine große, weit vertreute Gemeinde. Auf den umliegenden Feldern werden hauptsächlich Obst, Oliven, Wein und Hopfen angebaut. Deutsch wird heute unter den Einwohnern nicht mehr gesprochen. Lediglich der Tourismus oder ein Gang auf die Friedhöfe hält die Erinnerung an die deutsche Siedlungsgeschichte des Ortes und des Umlands wach. So verweist der heutige Besitzer des "Moutere Inn" gerne auf die mehr als 160-jährige Geschichte seines Gasthofs mit deutschem Ursprung und behauptet der älteste Pub Neuseelands zu sein. In der St. Paul's Lutheran Church läutet jeden Sonntag um 9:30 Uhr eine Glocke, natürlich von Hand betrieben. Noch immer gibt es auch einige Namen, die von der deutschen Besiedlung zeugen. Das Dorf Neudorf oder Ranzau als Wahlbezirk, die Ranzau Road, Ranzau Church oder die Ranzau School, und natürlich die Weingüter Neudorf, Seifried und Himmelsfeld.

Dass die Gegend auch heute noch bei deutschen Immigranten beliebt ist, kann man an der Brotvielfalt erkennen. Endlich bekommen wir wieder richtig gutes Brot und müssen nicht mehr selber backen oder in knatschiges Toastbrot beißen. Die Bäckerei "Antonius" in Richmond und Motueka wird tatsächlich von einem Abkommen der Kölner Traditionsbäckerei "Balkhausen" in der Apostelnstraße geführt. Die Nußecken sind hier genau so köstlich - oder vielleicht sogar noch ein bisschen besser - wie die im Kölner Laden;-) German Sausages, Leberkäse und Currywurst kann man bei einem deutschen Metzger in Nelson erwerben und das Restaurant "Kraut's" wirbt tatsächlich mit Jägerschnitzel und Schweinshaxe. Das geht uns dann allerdings doch zu weit. Das mediterrane Klima zieht neben Deutschen auch Italiener, Schweizer, Holländer, Griechen und viele andere Europäer an. Mit Spezialitäten aus ihren Heimatländern locken sie viele Kiwis und Touristen an ihre Marktstände bei den Farmers Märkten in Motueka und Nelson. Eine echte Kiwi-Spezialität ist allerdings die "Real Fruit Icecream", hergestellt aus frischen tiefgefrorenen Früchten und erstklassigem Vanilleeis. Yummy!

Schier unendlich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bietet das Umland in einem Radius von 150 km. Marlborough Sounds im Norden, Nelson Lakes im Nordosten, Kahurangi National Park im Südosten, Golden Bay und Abel Tasman National Park im Süden und vieles mehr. Einiges davon haben wir schon erkundet und werden wir noch erkunden. Und so könnt Ihr Euch vorstellen, dass es in den nächsten Tagen ein paar spannende Berichte zu lesen gibt;-)

1 Kommentar:

  1. hallo Ihr Lieben,
    Ihr seid ja echt Schreibfleißige und erweckt jedes mal beim Lesen Fernweh. Wir kommen gerade aus Malle. 1 Woche mit vielen Eindrücken und Inselerkundungen bei mäßig bis sehr kaltem Wetter. Wenn ihr von euren tollen Sonnentagen berichtet erscheint es hier in Bonn noch kälter. Wir wünschen euch tolle Restwochen und freuen uns auf ein Wiedersehen. Herzlichste Grüße von Gernot und Andi

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