Donnerstag, 12. Februar 2015

Rauhe Schönheit - Die West Coast

Während Ihr Euch wahrscheinlich gerade in die jecke Kleidung schmeißt und Euch in andere Personen verwandelt, habe ich mich hingesetzt, um über die letzte Etappe unserer Rundreise zu berichten. Wir stoßen um 11:11 Uhr mit Euch an und lassen hier ein lautes "Kölle Alaaf" über die Bucht schallen.

Kurz nachdem man Queenstown bzw. die Bungy Jumper auf der Kawarau Bridge hinter sich gelassen hat, kommt lange, lange, lange, um genauer zu sein 207 km lang nichts. Rechts ein langer See (Lake Hawea, 35 km), links ein noch längerer See (Lake Wanaka, 42 km) und dann nur noch Berge, die Ausläufer der Southern Alps. Nach fast 3 Stunden Fahrtzeit landet man in Haast, einem verschlafenen Nest fast am Ende der West Coast. Diese erstreckt sich auf der Südinsel über 600 km zwischen Awarua Point und dem Kahurangi Nationalpark und grenzt die neuseeländischen Alpen von der Tasman Sea ab. Schroffe Klippen, massive Berge und dichte Regenwälder bestimmen das Landschaftsbild, das gleichermaßen wild wie malerisch erscheint. Es regnet viel in dieser Gegend, weshalb sie wohl auch eher dünn besiedelt ist. Greymouth, Westport und Hokitika sind die drei größten Orte. Mit rund 30.000 Einwohnern ist es die am dünnsten besiedelte Region Neuseelands. Die Menschen, die hier leben, sind wie die Region eher schroff und lieben das abgeschiedene Dasein. Früher, zur Goldgräberzeit, war das anders. Hokitika wurde beispielsweise als Goldgräbersiedlung gegründet und zählte zwei Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1866 mit über 6.000 Einwohnern zu den größten Siedlungen im damaligen Neuseeland.

Nachdem wir also Haast passiert haben, genießen wir die Fahrt auf dem Highway 6 an der Westküste entlang. Unser erster Stopp bringt uns an den Fox Gletscher. Wie schon geschildert, hängen sich die von Westen kommenden Wolken gerne an den Alpen auf und die Wahrscheinlichkeit, dass die Berge wolkenverhangen sind, ist hier bei durchschnittlich 170 Regentagen im Jahr hoch. Dieses Mal haben wir kein Glück, denn die Berge verbergen sich auch vor uns. Immerhin können wir bei der Wanderung zur Gletscherzunge, die bis weit ins Tal - 300m über Meeresspiegel - hineinreicht, das untere Drittel des Gletschers sehen. Von 1985 bis 2007 dehnte sich der Gletscher überwiegend aus, seit 2009 schmilzt er aber wieder. 15.000 Millimeter Niederschlag pro Jahr tragen dazu bei, dass der Fox Gletscher und sein Nachbar, der Franz Josef Gletscher, sich mit einem Meter pro Woche vorwärtsschieben. Ein über dem Franz Josef Gletscher abgestürztes Flugzeug wurde deswegen bereits nach vergleichsweise kurzen sieben Jahren wieder vom Eis ausgespuckt. Die hohe Fließgeschwindigkeit ergibt sich unter anderem durch das viele Wasser, das über Wasserfälle rechts und links des Eises unter den Gletscher fließt und so als eine Art Gleitmittel dient. Ein bisschen Farbe in die eher triste Landschaft bringt ein Kea auf der Suche nach Nahrung.

Wir verlassen das Gletschergebiet und fahren weiter Richtung Norden und damit Richtung schöneres Wetter. Auf der Höhe von Ross, einer weiteren ehemaligen Goldgräbersiedlung haben wir bereits strahlenden Sonnenschein und so beschließen wir unser Glück beim Gold Digging zu versuchen. Mit Schaufel, Schale und einer kurzen Anleitung bewaffnet, gehen wir zum Fluß, der uns die Urlaubskasse aufbessern soll. Die markierte Stelle, an der wir buddeln dürfen, ist natürlich schon von anderen Glückssuchenden durchlöchert worden. Da das frische Wasser jedoch ab und zu neues Geröll mit sich bringt, sind wir zuversichtlich und laden unsere Schüttelschalen mit Sand und kleinen Kieseln voll. Wir rütteln und schütteln und rütteln und schütteln und ... was kommt am Ende dabei raus: nichts. Also, wieder eine Schüppe Dreck in die Schale und das ganze von vorne. Etwa eine Stunde geben wir uns der Schüttelei hin. Dann sind unsere Füße vom Wasser eiskalt, die Sandflys haben zugestochen, die Sonne hat uns fast verbrannt und was haben wir in unserer Schale gefangen? Eine runde Spaß;-)

In Hokitika, der heutigen Stadt des Jadesteins, machen wir eine Kaffeepause und einen Spaziergang am endlosen Strand, in der Hoffnung wenigstens einen Jadefund zu machen. Doch die Steine, die im feuchten Zustand wunderbar grün leuchten, sind stumpf und grau, sobald sie getrocknet sind. Wieder nur Spaß;-) Da wir an diesem Tag noch nach Greymouth wollen, um mal wieder eine 1a Backpacker Unterkunft - Global Village - zu beziehen, halten wir uns allerdings nur kurz in Hokitika auf.

Greymouth macht seinem Namen alle Ehre als einstige Kohleregion. Doch daher kommt der Name gar nicht. Die Stadt wurde nach dem Grey River, der wiederum nach einem berühmten neuseeländischen Politiker benannt wurde, und seiner Mündung (mouth) benannt. Der Abbau von Kohle führte immerhin dazu, dass heute eine der bekanntesten und schönsten Bahnstrecken hier startet, der TranzAlpine. Der Zug mit Außenplattform schlängelt sich hinauf zum Arthur's Pass auf 737m um sich dann auf der anderen Seite durch wilde Schluchten und fruchtbare Ebenen bis Christchurch zu erstrecken. Wir hatten die Fahrt bei unserem letzten Besuch in 2006 gemacht und können sie absolut empfehlen. Dieses Mal leihen wir uns kostenlos die Räder vom Hostel und radeln mit einer Flasche Wein und Knabberzeug bewaffnet zum Kiesstrand, denn hier soll es die tollsten Sonnenuntergänge geben. Wir hören es tatsächlich fast zischen, als der glutrote Ball langsam ins Wasser taucht und einer sternenklaren, kühlen Nacht Platz macht.

Die letzte Station an der West Coast sind die Pancake Rocks, bevor wir durch die Buller Gorge den Weg über das Landesinnere zu unserem zweiten Übergangsheim antreten. Die Pancake Rocks wurden nach ihrem Aussehen benannt, denn in der Tat sehen sie aus wie übereinander gelegte Pfannkuchen. Die Tafeln am Eingang zum kleinen Rundweg besagen, dass das Geheimnis des Aussehens bis heute nicht wirklich gelüftet ist. Fest steht, dass vor rund 30 Millionen Jahren übereinander geschichtete Ablagerungen von Kalksedimenten und Tonmineralien unterschiedlich schnell erodieren. Wodurch allerdings die sonderbare Form entstanden ist, weiß man nicht. Wir verlassen das rauhe Gebiet, das tatsächlich ein wenig auf unser Verhalten abgefärbt hat und nähern uns unserem letzten Urlaubsabschnitt und einem freundlicheren Umgang.

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