Samstag, 28. Februar 2015

Sonniges Zentrum von Neuseeland

"Sunny Nelson" macht in diesem Sommer seinem Namen alle Ehre. Über das Jahr verteilt scheint hier die Sonne durchschnittlich 6,9 Stunden pro Tag. Zum Vergleich: Auckland hat 5,5, Christchurch 5,8 und Deutschland im Mittelwert über alle Bundesländer 4,4 Sonnenstunden pro Tag. Für uns scheint die Sonne in diesem Sommer täglich 9 bis 10 Stunden:-)

Nelson ist von unserem Standort in der Ruby Bay, Mapua, rund 35 km entfernt und gut in einer halben Stunde über den Highway 6 zu erreichen. Auf ungefähr halber Strecke liegt Richmond, ein weiterer großer Ort in der Tasman Region. Der Weg dorthin führt uns vorbei an riesigen Weinbaugebieten, jede Menge Obstplantagen und vielen kleinen Siedlungen. An einem Kreisel kurz vor Nelson muss man sich entscheiden, ob man über den Hügel von Bishopdale oder an der Küste über Tahunanui Beach in die Stadt fährt. Attraktiver ist natürlich die Küstenstraße und so kommt es hier aufgrund einer lästigen Ampel tatsächlich ab und an zu längeren Rückstaus.

Boulder Bank
Nelson hat ca. 50.000 Einwohner und die angrenzende Region Tasman noch einmal rund 50.000. Das Gebiet ist aufgrund des gemäßigten Klimas, der attraktiven Nationalparks und der schönen Strände zu einem Magnet für Kiwis und Ausländer geworden. Die Stadtverwaltung - das Nelson City Council - hat sich darauf eingestellt und bietet den Neuankömmlingen beispielsweise die Webseite New2Nelson mit allem Wissenswerten zu Wohnen, Bildung, Beschäftigung u.v.m., sodass man sich als Zugezogener direkt willkommen fühlt. Neben einem kleinen Flughafen besitzt Nelson einen Frachtschiff- und Fischereihafen, die nur über eine enge Zufahrt zu erreichen sind. Grund dafür ist die sogenannte Boulder Bank, eine schmale Landzunge, die sich von der Küste nördlich von Nelson 13 km weit ins Meer erstreckt. Von der südlichen Seite grenzt eine vorgelagerte Insel bis fast an die Boulder Bank. Die enge Zufahrt zum Hafen wurde für große Schiffe freigeschaufelt.

Centre of New Zealand
Gut zu sehen ist das vom angeblichen geografischen Mittelpunkt Neuseelands, einem Hügel hinter dem Zentrum der Stadt. Dieser Mittelpunkt war allerdings nur der Mittelpunkt, um frühe Landvermessungen durchzuführen. Der wahre geographische Mittelpunkt liegt in dichtem Gestrüpp eines Waldes in der Nähe von Tapawera, 35 Kilometer südwestlich von Nelson. Wir sind den steilen Weg zum "Centre of NZ" aufgestiegen - am Drachenfels hat man wenigstens die Wahl zwischen Esel oder laufen - und wurden dafür mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Founders Heritage Park
Nelson ist zugleich eine der ältesten Städte Neuseelands. 1858 wurde Nelson als zweitem Ort das Stadtrecht zuerkannt und das erste staatliche College des jungen Landes eröffnet. Dementsprechend gibt es in der Innenstadt noch ein paar herrliche alte Holzvillen, die zu extravaganten Preisen die Besitzer wechseln. Die Kolonialzeit der Stadt wird in einem Freilichtmuseum, dem Founders Heritage Park, den Touristen nähergebracht. Und mittlerweile hat man auch ein Maori Dorf angegliedert. Wir haben dort am 6. Feburar den Waitangi Day, den nationalen Feiertag zur Friedensvereinbarung (Treaty of Waitangi) zwischen den Briten und den Maori, gefeiert. Ein riesiges Aufgebot von internationalen Künstlern, kulturellen Darbietungen und Speisen lockte viele Besucher.

Eine weitere Attraktivität der Stadt ist das World of Wearable Art & Classic Car Museum. Bei den regelmäßigen Lesern dieses Blogs müsste der Name ein "das-habe-ich-doch-schon-einmal-gelesen" auslösen. Richtig, wir waren in Wellington in der gleichnamigen Show WOW. Die Ursprungsidee stammt von Suzie Moncrieff, einer Skulpturenkünstlerin aus Nelson, die 1987 eine ländliche Galerie mit dieser neuen Art der Inszenierung von künstlerischen Werken vermarkten wollte. 200 Zuschauer kamen in den Gemeindesaal von Nelson, um eine Show zu sehen, in der Kunstwerke von der Wand genommen wurden um sie auf der Bühne zu präsentieren. 2005 war der Rahmen in Nelson zu klein und so entschloß man sich nach Wellington zu gehen, wo man heute ein riesiges Publikum erreicht. Über 300 Designer aus Neuseeland und Übersee reichen ihre Werke jedes Jahr ein, 170 Finalisten schaffen es auf die Bühne. Natürlich kommen die meisten Künstler aus dem kreativen, professionellen Umfeld, aber auch viele enthusiastische Amateure sind unter den Bewerbern.

Jährlich finden von Dezember bis Februar im Rahmen des "Summer in Nelson" viele Veranstaltungen statt. Wir waren von dem umfangreichen Programm begeistert und haben das Buskers Festival - Straßenkünstler aus der ganzen Welt treten auf und leben vom Trinkgeld, das sie in ihren Hüten einsammeln, Street Beat - Musik auf der Straße,  Outdoor Theatre "In 80 Tagen um die Welt" und ein Klavierkonzert im Rahmen eines internationalen Kammermusik Festivals besucht. So viel in Kultur machen wir über das ganze Jahr verteilt in Köln nicht;-)


Durch Zufall sind wir dann noch an einer Premiere für Nelson vorbeigekommen und konnten uns an der guten Stimmung gar nicht satt sehen. Die "Monster Slide" wurde auf einer abschüssigen Hauptstraße in Nelson City aufgebaut, um Jung und Alt einen Monster-Rutsch-Spaß zu bescheren. Leider waren wir zu spät und ausnahmsweise mal ohne Badesachen (heißen hier übrigens "togs") unterwegs. Köln hat natürlich viel für ein Millionenpublikum zu bieten, aber was Nelson dazu im Vergleich für schlappe 50.000 Einwohner tut, zeigt wie aktiv die Stadtväter und -mütter am Image der nördlichsten Stadt auf der Südinsel arbeiten. Der kilometerlange Sandstrand von Tahunanui Beach mit seinen vielen Freizeitangeboten hinter den Dünen erhöht den Lebenswert um einen weiteren Faktor und so ist es nicht verwunderlich, dass 2012 in der Region die höchste Zuzugsrate Neuseelands verzeichnet wurde. Das sonnige Zentrum von Neuseeland wäre auch unsere bevorzugte Wohngegend, wenn wir mal länger als ein halbes Jahr übersiedeln würden.

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