Fast allein ganz im Süden

Zwischen den beiden südlichsten Städten der Südinsel, Dunedin und Invercargill, liegen die Catlins. Das Gebiet der Catlins umfasst etwas über 1.900 km², dehnt sich entlang eines etwa 90 km langen Küstenstreifens etwa 50 km ins Landesinnere aus und ist mit insgesamt 1.200 Bewohnern sehr dünn besiedelt. Es erhielt seinen Namen vom Catlins River, der wiederum nach Kapitän Edward Cattlin, einem Walfänger, der 1840 von einem Maori Häuptling für Musketen und £30 (dies entsprach 2005 etwa NZ$ 3.000) ein großes Stück Land entlang des Flusses kaufte. Neuseelands Landkommissare verweigerten diesen Kauf zu genehmigen, und die Maori erhielten nach langen Verhandlungen, die erst über ein Jahrzehnt nach Cattlin's Tod endeten, einen großen Teil des Landes zurück. (Quelle: Wikipedia)

Wir nähern uns von Dunedin und biegen kurz hinter Balclutha auf die Küstenstraße SH92 ab, die uns in endlosen Kurven durch Busch- und Weideland führt. Orte? Schule, Kirche und 3 bis 5 Häuser! Geschäfte oder Tankstellen? Fehlanzeige! So wird entsprechend auch in jedem Reiseführer darauf hingewiesen, dass man sich vor einer Fahrt in die Catlins mit reichlich Benzin und Nahrungsmitteln eindecken sollte. Wir haben uns das natürlich vorher nicht angesehen und sind entsprechend froh, als wir neben unserer Backpacker Unterkunft in Waikawa einen Fish'n'Chips Imbiss vorfinden. Zudem haben wir immer unsere komplette Nahrungsausrüstung dabei, sodass wir die nächsten zwei Tage wohl ohne Supermarkt auskommen. In einer WG-ähnlichen Bruchbude teilen wir uns das Haus mit einem Pärchen aus Irland und drei Holländerinnen. Unser Gastgeber fordert uns per Hinweisschild dazu auf, ihn anzufrufen, sobald wir eingetroffen sind. Gegenüber ist eine kleine Kapelle, hinter der Imbissbude gibt es ein winziges Museum und irgendwo in der Ferne stehen noch ein paar Häuser. Das ist Waikawa, was so viel wie "Saures Wasser" heißt und wahrscheinlich mit der riesigen Flussmündung zusammenhängt, die bei Ebbe trocken ist.

Da wir immer noch nicht genug von den Gelbaugenpinguinen haben, zieht es uns in der frühen Dämmerung an die Curio Bay, einer Bucht voller Holzfossilien. Auch hier wird dank ehrenamtlicher Helfer und Absperrungen extrem darauf geachtet, dass die Pinguine, die gerade ihre Küken großziehen nicht gestört werden. Wir wundern uns, wo die vielen Menschen herkommen, die sich hier versammelt haben, um die befrackten Gelbaugen zu beobachten. Die Antwort folgt fast auf dem Fuß: Auf einmal spricht mich eine bekannte Stimme mit "Hallo Christiane" an. Ich drehe mich um und sehe Doro, unsere Autoverkäuferin aus Auckland, in die Augen. Was für ein Zufall! Sie und ihr Mann Darren machen gerade Urlaub und sind mit einem Campervan auf dem nahegelegenen Campingplatz. Daher kommen also die Touristenströme. So warten wir gemeinsam auf die Pinguine und werden reichlich belohnt. Einer nach dem anderen lässt sich nach getaner Arbeit, sprich Beute fangen, an Land spülen und watschelt über die versteinerten Bäume an den bewachsenen Hang, um seinen Fang mit der Familie zu teilen. Ganz in der Nähe unserer Beobachtungsplattform höre ich lautes Vogelgeschrei. Als mittlerweile kundige Pinguinbetrachterin weiß ich, dass es sich um einen Pinguin handeln muss, der seinen Partner ruft. Ich schaue, ob ich im Gebüsch etwas entdecken kann, und siehe da, ganz in unserer Nähe hockt ein Weibchen oder Männchen - soweit reicht meine Kenntnis dann doch nicht - mit einem Küken. Wir legen uns auf den Boden um besser sehen zu können, was natürlich einen magnetischen Effekt auf alle anderen Beobachter hat. So lassen wir die anderen schauen und unterhalten uns ausgiebig mit Doro und Darren.
 

Für den nächsten Tag hat uns unser Vermieter eine Route von West nach Ost vorgeschlagen. Das Wetter meint es wieder gut mit uns, wenn man bedenkt, dass es in dieser Region durchschnittlich 200 Tage im Jahr regnet. Und so beginnen wir am Waipapa (Wachstum) Point mit seinem goldenen Sandstrand, einem Leuchtturm und Seelöwen. Als wir dort ankommen, robbt sich gerade ein Seelöwe von gewaltigem Ausmaß einen Weg hoch, der normalerweise für Menschen vorgesehen ist. Ohne Rücksicht auf ein paar verstreute Touristen und uns wackelt er zielstrebig Richtung Dünen, dreht sich noch einmal um und verschwindet dann hinter einem Hügel. So fängt der Tag ja schon einmal vielversprechend an.

Den südlichsten Zipfel der Südinsel "Slope Point" sparen wir uns, denn hier gibt es wirklich nichts Besonderes zu sehen. Wir fahren stattdessen ein wenig ins Landesinnere nach Waipohatu (Stein des Wassers) um dort einen dreistündigen Rundweg anzutreten, der uns zu einem Wasserfall bringen soll. Am Parkplatz gibt es wie wirklich an jedem Ausgangspunkt eines neuseeländischen Wanderweges einen Picknickplatz und eine Toilette. Zwei weitere Autos parken hier noch, ansonsten Stille. Wir rüsten uns also mit Wanderschuhen, -stöcken, Wasser und etwas Verpflegung aus und losgeht es in den Busch. Der Wanderweg ist zwar gut ausgeschildert, jedoch recht anspruchsvoll, da er feucht ist, Bäche überquert werden müssen und zwischendurch auch ein paar Steilstücke dabei sind. Es macht Spaß und wir begegnen tatsächlich nur einer einzigen Familie während den gesamten dreieinhalb Stunden. Belohnt werden wir überdies mit zwei tollen naturbelassenen Wasserfällen inmitten der Wildnis. Zurück am Parkplatz haben wir uns das Picknick mehr als verdient.

Der nächste Halt ist an der Purpoise Bay, wo die Holländerinnen aus unserem Backpacker Hostel gerade einen Surfkurs absolvieren und man angeblich Hector Delphine - mit bis zu 1,50 m der kleinste Vertreter der Wale - beobachten kann. Der Strand lädt zum Verweilen ein und so dösen wir ein wenig vor uns hin, beobachten die kraftraubenden Versuche der Mädels und warten darauf, dass die Delfine aus dem Wasser springen. Das tun sie leider nicht, denn wie wir später erfahren, reiten sie ebenso wie die Surfer auf den Wellen und man muss einfach ins Wasser gehen, um sie zu sehen. Verpasst, schade!

Mittlerweile ist es schon später Nachmittag und so beschließen wir, früh unser Abendessen zuzubereiten und anschließend noch zu den Cathedral Caves zu fahren, die angeblich zur Ebbe gegen 20 Uhr noch einmal begehbar sind. 20 km sind es bis dorthin und als wir ankommen, ist das Tor verschlossen. Auch hier handelt es sich um privates Land und der Besitzer entscheidet, wann er das Gatter für die Touristen öffnet. Obwohl er auf seiner Webseite die Öffnung am Abend angekündigt hatte, konnte er sich dann wohl doch nicht mehr aufraffen. Nun ja, ein paar Schwächen dürfen die hiesigen Bewohner auch haben;-) Wir sind flexibel und haben spontan ein anderes Ziel in der Einöde gefunden, die MacLean Falls, ein weiterer imposanter Wasserfall, den wir zu so später Stunde für uns alleine haben. Damit beschließen wir unser Programm in der Einsamkeit und sind tief beeindruckt. Am nächsten Tag heißt es wieder früh aufstehen, da wir einen langen Weg über Invercargill nach Queenstown vor uns haben. Zurück in die Zivilisation.

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