Die goldene Bucht

Öffnet man den Gästeführer "Golden Bay 2014/2015" beginnt die Einleitung mit den Worten, die Golden Bay sei das bestgehütete Geheimnis Neuseelands, da nur eine Straße hineinführt. Es handelt sich also um eine "Sackgassen-Bucht".  Ich habe meine Zweifel, ob die Gegend, die sich von Totaranui im Osten (Abel Tasman Nationalpark) bis Wharariki an der Westküste erstreckt, immer noch ein Geheimnis ist, da wir viele Touristen dort getroffen haben. Fest steht, dass der Weg in die Bucht über den 791 m hohen Takaka Hill, sicher viele abschreckt. "It's just a hill - get over it!" sagen die Kiwis und fahren kurzerhand mit ihren riesigen Campervans und Booten im Schlepptau hinüber. Kurz hinter Riwaka schlängelt sich die Straße in Serpentinen hoch hinauf und beschert einem herrliche Ausblicke zunächst auf die Tasman Bay und etwas später auf die Golden Bay. Und dann geht es steil hinab nach Upper Takaka, am Takaka River entlang in die größte Stadt der Region (rund 1.200 Einwohner) und einstige Hippie-Enklave, Takaka. Ab hier reiht sich ein herrlicher Strand an den anderen bis hin zum Abel Tasman Park auf der einen Seite und zum Farewell Spit, einer etwa 30 km langen Sandformation, über die ich an anderer Stelle noch detaillierter berichten werde, auf der anderen Seite.

Unsere erste Tour in die Golden Bay - der Name kommt übrigens vom Gold, was man auch hier in frühen Tagen der Besiedlung fand - war spontan. Unsere Nichte Anna war noch hier und als wir beim Frühstück überlegten, was wir mit dem Tag so anfangen könnten, beschlossen wir die Golden Bay zu erkunden. Wir wussten nur, dass sie rund 80 km von unserem Standort entfernt ist. Also packten wir unsere Badesachen ein und machten uns auf den Weg. In Motueka nahmen wir noch einen Tramper mit, der sich als deutscher "Wwoofer" entpuppte. Wwoof ist die Abkürzung für World Wide Opportunities on Organic Farms. Auch hierauf werde ich einem der nächsten Blogposts noch näher eingehen. Und so hatten wir bei dieser Fahrt nicht nur unsere erste Begegnung mit den Serpentinen von Takaka Hill, sondern auch mit einem Wwoofer. Gegen Mittag kamen wir schließlich in Takaka an und suchten erst einmal das hilfreiche Besucherzentrum i-Site auf. Ohne konkrete Idee, was wir in der riesigen Golden Bay machen könnten, sammelten wir nur Broschüren ein. Nach einem Bummel durch Takaka - der Hippie-Einfluß ist in den Shops noch deutlich zu sehen - gönnten wir uns ein Real Fruit Eis im Wholemeal, bevor wir an den Strand von Pohara fuhren, wo wir den Nachmittag verbrachten. Und dann hieß es wieder zurück über den "Hügel".

Mittlerweile sind wir die Strecke schon ein paar Mal gefahren und kennen die Kurven. 20 min benötigen wir nun hoch und 20 min runter. Insgesamt fahren wir von hieraus allerdings eine Stunde bis nach Takaka plus die Fahrtzeit, die wir in der Golden Bay benötigen, und das kann gut und gerne eine weitere Stunde sein. Was wir alles erkundet haben?

Riwaka River Spring
Te Waikoropuru Springs
Zunächst einmal waren wir an zwei herrlichen Quellen. Die eine entspringt direkt im Höhenzug des Takaka Hills und kommt diesseits des Berges ans Tageslicht in Form des Riwaka Rivers. Die andere nennt sich Te Waikoropupu Springs, ist kurz hinter Takaka, für die Maori ein heiliger Ort und besteht eigentlich aus drei großen Frischwasser Quellen, die einige Kilometer von der Küste entfernt in 12 bis 14 Meter Tiefe entspringen. 14.000 Liter Wasser dringen hier pro Sekunde aus dem Boden. Damit ist sie die größte Frischwasserquelle Neuseelands. Bis zu 63 m ist die Sicht im Wasser, was nahezu 100% reinem Wasser entspricht. Wir sind von beiden Orten fasziniert und konnten uns kaum losreißen, da die Klarheit des Wassers eine klärende und beruhigende Wirkung ausübt.

The Grove
Von einer Einheimischen bekamen wir den Tipp uns "The Grove" in Clifton, ebenfalls kurz hinter Takaka anzuschauen. Ein kurzer Walkway führt durch ursprünglichen Buschwald und enges Felsgebiet und endet an einem wirklich tollen Aussichtspunkt mitten in einer riesigen Felswand.



Patons Rock Beach
Fährt man von Takaka nach Collingwood - dem letzten etwas größeren Ort bevor die Einsamkeit einen einholt - liegt rechts rund drei Kilometer von der Straße entfernt das Meer und links der Buschwald. Bei Patons Rock machten wir einen Abstecher an die Küste und waren vom weißen, kilometerlang einsamen Sandstrand begeistert. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht so schön, sonst hätten wir uns hier stundenlang aufgehalten. So sind wir weiter nach Collingwood gefahren, haben einen leckeren Kaffee im einzigen Café des Ortes getrunken und uns bei Eco Tours nach Fahrten zum Farewell Spit erkundigt.

Westhaven Inlet
Bei einer weiteren Tour zur Golden Bay haben wir die Fahrräder mitgenommen und sind nach Pakawau, was noch hinter Collingwood liegt und eine Ansammlung von Ferienhäusern und ein paar Farmen beherbergt, gefahren. Von hier aus sind wir mit den Rädern über eine Schotterpiste ins Landesinnere zum Westhaven Inlet geradelt. Hier liegt meines Erachtens eines der wirklich bestgehüteten Geheimnisse der Südinsel, denn es steht nicht im Lonely Planet. Die riesige Lagune ist nahezu menschenleer, zerklüftet, wird durch kleine Flüsse sowie die Tasman Sea an der Westküste gespeist und lässt sich fast komplett umwandern oder umfahren. Wir hatten an diesem Tag Pech. Der Wind blies uns so heftig entgegen, dass wir trotz abschüssiger Teilstrecken kaum vorwärts kamen, geschweige denn auf ansteigenden. Zudem wurde der Schotter auf der Straße gerade erneuert, was die Stabilität beim Fahren nicht gerade erhöhte. So haben wir nur ein kurzes Stück des Inlets erkundet, bevor wir mit Rückenwind den Rückweg antraten.

Marmorfelder
Und last but not least sind wir auf dem Takaka Hill gewandert. Inmitten eines schwarzgrauen Marmorfeldes schlängelt sich ein ca. 3-stündiger Weg zunächst auf den 950 m hohen Gipfel und dann herum um den Berg. Der Aufstieg wird mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Außer einer Wandergruppe, die nur zum Gipfel gelaufen ist, sind wir keiner Menschenseele begegnet. 

Es gibt noch sooooo viel in der Golden Bay zu erkunden. Golden Bay we will see you again!

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