Folgen der Erdbeben in Christchurch und Kaikoura

Neuseeland verdankt seine wunderbare Natur unter anderem den gewaltigen Vulkanausbrüchen und Erdbeben vor vielen Millionen Jahren. Seine Lage auf der Grenze zwischen der Pazifischen Platte und der Australischen Platte verursacht auch in der Gegenwart immer wieder kleine und größere Erdbeben - laut Wikipedia 100 bis 150 spürbaren pro Jahr. Einen kleinen "Rums" von der Stärke 3,8 auf der Richterskala haben wir auf der Banks Peninsula gar nicht mitbekommen. Am 4. September 2010 und am 22. Februar 2011 erschütterten zwei schwere Erdbeben Christchurch, die vor allem die Innenstadt in Schutt und Asche legten. Am 14. November 2016 war das 180 km weiter nördlich gelegene Kaikoura der Ort eines weiteren schweren Bebens auf der Südinsel. Wir kennen mittlerweile viele Personen, die direkt oder indirekt von den Auswirkungen des Bebens in Christchurch betroffen waren und sind fasziniert, wie sie ihre persönlichen Geschichten meistern.

Unser letzter Besuch in Christchurch liegt vier Jahre zurück. Im Blogbeitrag "Risse im Paradies" haben wir über unsere damaligen Eindrücke berichtet. Nun sind wir gespannt, was sich seitdem getan hat. Es gibt immer noch viele Freiflächen in der Innenstadt von Christchurch, die mittlerweile "Wilsons"  genannt werden, weil sie von "Wilson Parking" als kostenpflichtige Parkplätze angeboten werden. Wir stellen unser Auto auf einem dieser plattgewalzten Schotterplätze ab und schlendern durch die Stadt. Sofort fallen uns die vielen Neubauten auf, die vor allem vom City Council und den Banken errichtet wurden. Sie erzeugen ein attraktives Stadtbild und lassen zwischendrin viel Raum für gemütliche Innenhöfe oder breite Straßen. Rund um den Avon - dem kleinen Fluß, der mitten durch die Stadt fließt - wurden schöne terrassenartige Treppen angelegt, die zum Verweilen einladen. Das Wahrzeichen der Stadt, die Canterbury Cathedral ist leider immer noch eine Ruine. Ein Schild am Bauzaun verrät uns, dass nun der Wiederaufbau beschlossen wurde. Und in der Tat sehen wir ein paar Bauarbeiter, die dort tätig sind. Rund 10 Jahre sind für die Rekonstruktion eingeplant. Darüberhinaus sind noch viele Gebäude leer und abgesperrt, überall sind Bauarbeiten im Gange. Es wird bestimmt noch weitere 8 bis 10 Jahre brauchen, bis man die Folgen des Erdbebens nicht mehr erkennen kann.


Unsere Tour nach Christchurch haben wir mit einer Gondelfahrt auf den Mount Pleasant begonnen. Chris und Dianne, unsere neuseeländischen Freunde, die wir bei unserem allerersten Neuseeland-Besuch in 2002/2003 kennengelernt haben und mittlerweile in Lincoln bei Christchurch wohnen, empfahlen uns die Fahrt. Es ist wieder ein strahlender Tag und die Sicht könnte nicht besser sein. Im Visitor Center auf dem Mount Pleasant erfahren wir, dass dieser vulkanischen Ursprungs ist und dadurch die wunderbare Kraterlandschaft, die sich vor uns ausbreitet, entstanden ist. Am Fuß des Vulkans liegt Christchurch, die mit rund 350.000 Einwohnern immer noch zweitgrößte Stadt des Landes.

Auf der Fahrt von Christchurch nach Picton, wo wir wieder die Fähre über die Cook Strait nehmen, um auf die Nordinsel zu gelangen, passieren wir die Küste rund um Kaikoura. Die Küstenstraße und die Bahnlinie wurden beim Erdbeben in 2016 schwer zerstört. Hier hatte es glücklicherweise nur zwei Tote gegeben, was natürlich auch der geringen Einwohnerzahl und der zu dieser Jahreszeit wenigen Touristen geschuldet ist. Vor allem nördlich von Kaikoura laufen die Bauarbeiten an der Küstenstraße und Bahnlinie auf Hochtouren. Neben Stützmauern an den steilen Berghängen werden auch gigantische Schutzdämme entlang des Pazifiks errichtet. Für rund 50 km benötigen wir anderthalb Stunden Fahrtzeit, denn immer wieder werden wir angehalten, weil der Verkehr nur einspurig verläuft, und können oft nur 30 oder 50 km/h fahren. Wir sind erstaunt, wie flott hier die Arbeiten vorangehen. Die Bahnstrecke ist trotz zahlreicher Tunnel ebenfalls schon wieder befahrbar. Die Seehunde, die sich entlang der Küstenstraße tummeln, scheint der Lärm und Dreck der Bauarbeiten nicht weiter zu stören.


In Kaikoura besuchen wir unsere Lieblingsplätze "The Pier Hotel" und die Seehundkolonie. Was uns auffällt im Vergleich zu unseren letzten Besuchen hier, es ragen viel mehr Felsen aus dem Meer und gerade im Umfeld der Seehundkolonie hat sich das Küstenbild komplett verändert. In der Tat wird uns bestätigt, dass Kaikoura um 70 cm angehoben wurde. Dadurch sind für die Seehunde neue geschützte Gebiete entstanden. In den Pools, die zwischen den Felsen entstanden sind, können Seehundwelpen geschützt vor Feinden aufwachsen und spielen. Wir haben Spaß ihnen dabei zuzusehen. Des einen Leid, das anderen Freud: Während viele Hausbesitzer in Christchurch ihre Häuser verlassen mussten und zum Teil immer noch mit den Versicherungen um die Entschädigung streiten, boomt die Baubranche und die Seehunde haben neue Brutplätze gewonnen.

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