Welcome - Weihnachten - Wwoofing

Kia Ora, liebe Leserinnen und Leser!

Seit einer Woche sind wir nun wieder in Aotearoa, im Land unter der langen weißen Wolke, wie die Maori sagen. Als Willkommensgruß hat Neuseeland seinem Maori-Namen erst einmal vollständig alle Ehre erwiesen und sich in weiße und schwarze Regenwolken gehüllt. Das war zum Akklimatisieren gar nicht so schlecht für uns. Denn seit heute scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel und lässt uns zum Sonnenschutzfaktor 50 greifen.



Die eine Woche ist wie im Flug vergangen, denn obwohl wir bis jetzt gerade mal 50 km nördlich von Auckland gereist sind, haben wir schon viel erlebt. Nach unserer Ankunft am 19. Dezember morgens um 9 Uhr in Auckland, hatten wir uns auf lange Schlangen bei der Pass- und Gepäckkontrolle eingestellt. Gepäckkontrolle bei der Einreise? Ja, in Neuseeland dürfen keine Samen, frischen Lebensmittel und Erde eingeführt werden, um das empfindliche Ökosystem zu schützen (siehe auch diesen Blogbeitrag). Dass wir zum ersten Mal überall glatt durchgehen konnten und nur unsere Wanderschuhe und ein Koffer mit Lebkuchen und weißen Pfefferkörnern einer intensiven Inspektion unterzogen wurden, überraschte uns angenehm. Beides wurde mit einem Augenzwinkern durchgewunken. Um 9:30 Uhr beluden wir bereits ein Taxi mit unserem Gepäck und ließen uns nach Takanini zu Kiwi Cruise Control chauffieren. Wie vertraut uns schon alles ist - wir konnten dem Taxifahrer sogar sagen, wie er vom State Highway 1 dorthin kommt:-)

Ankunft bei Darren und Doro von Kiwi Cruise Control
Welche Freude Doro und Darren, die Inhaber von Kiwi Cruise Control, wiederzusehen, die uns erneut einen Toyota Estima verkauften, den sie zum Sleepervan umgerüstet haben. Neben uns kauften an diesem Vormittag noch drei weitere deutsche Pärchen - sie hätten alle unsere Kinder sein können;-) ein Auto, um per Work and Travel durch Neuseeland zu reisen. Nachdem alle Formalitäten erledigt, wir mit neuseeländischen SIM-Karten ausgestattet waren und das Nötigste eingekauft hatten,  luden uns Doro und Darren zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Eigentlich sollten wir auf ihrem Parkplatz die erste Nacht in unserem Sleepervan verbringen. Doch es regnete so stark, dass uns die beiden ihr Gästezimmer anboten, was wir dankend annahmen.

Nach einem leckeren gemeinsamen Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Norden zu unserer ersten Station.  Bei Marija und Mike in der Mahurangi West Road in der Nähe von Warkworth haben wir unseren allerersten Cultural Wwoofing-Einsatz. Dort sind wir für den Nachmittag angekündigt. Auf dem Weg verbringen wir einige Zeit in dem netten Küstenort Orewa, wo wir zum Lunch ein leckeres Fish & Chips genießen. Zwischen regnerischen Abschnitten kommen auch immer wieder sonnige, sodass wir einen Spaziergang am Strand wagen. Es ist herrlich und das tiefe Gefühl von angekommen sein, macht sich wieder breit - Horst ist zum vierten Mal in Neuseeland, Christiane zum fünften Mal.

Als wir zu Mike und Marija aufbrechen regnet es in Strömen und das Navi führt uns zunächst auch noch an den falschen Ort. Nach einem kurzen Telefonat mit Mike wissen wir, wo wir hin müssen. Rund 7 km vom Highway entfernt auf einer Landzunge, die in den Mahurangi River reinragt, befindet sich das riesige Grundstück (1,6 Hektar) von unseren Wwoofing-Gastgebern. Die Vereinbarung lautet: Wir arbeiten jeden Tag 4 Stunden in ihrem Garten und bekommen dafür im Gegenzug unser eigenes kleines Appartement zum Wohnen und das Essen.

Mike ist 74 und kommt gebürtig aus England. Marija ist 73 und hat kroatische Wurzeln. Beide empfangen uns, wie wir es von Neuseeländern nicht anders gewohnt sind, sehr herzlich und führen uns direkt über ihr schönes Anwesen mit riesigem Obst- und Gemüsegarten, eigenen Bienenstöcken und zwei Hennen. Mike macht uns direkt mit den ersten beiden Arbeitsregeln vertraut:
Erstens alle 15 Minuten den herrlichem Ausblick genießen 😊 - das können wir gleich üben, denn mittlerweile hatten die Regenwolken mit Sonne getauscht - und zweitens alles, was auf dem Grundstück wächst (Zitronen, Orangen, Grapefruit, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Boysenberries, Bohnen, Salat, Mangold.....) für unser Frühstück oder Lunch nutzen. Unser Kühlschrank ist jedoch schon mit frischem Gemüse und selbst gemachtem Joghurt gefüllt. Obst, eigener Honig und selbstgemachte Marmelade mit Orangen aus dem Garten stehen für uns bereit. Um 19 Uhr werden wir mit einer Kuhglocke zum Abendessen gerufen, welches wir immer gemeinsam einnehmen und normalerweise von Mike zubereitet wird.

Wir schlafen herrlich und sind am nächsten Morgen pünktlich um 9 Uhr zur Arbeitseinweisung zur Stelle. Marija macht uns mit dem japanischen Bukashi-Kompost-System und der sonstigen Mülltrennung vertraut, denn schließlich heißt WWOOF "Worldwide Opportunities on Organic Farms". Unsere ersten Aufgaben bestehen aus Unkraut jäten, befallenen Quittenbaum schneiden, den Komposter umwälzen, die Traubenrebe hochbinden und zurechtschneiden sowie bei Regenwetter Moskitonetze an den Fenstern anbringen.

Weihnachten naht und "most certainly" sind wir Heiligabend mit bei Marijas Nichte eingeladen. Wir haben eine Stunde Fahrt Richtung Norden vor uns und machen uns schon um 12 Uhr auf den Weg. In Warkworth halten wir, um bei Mitre 10 (der hiesige Baumarkt) Material für weitere Moskitonetze einzukaufen. Während bei uns an Heiligabend die Geschäfte um 12 Uhr schießen, ist hier im Baumarkt Hochbetrieb und von weihnachtlicher Hektik keine Spur. Durch Dauerregen geht's weiter zur Nichte Melissa und ihrer Familie. Sie und ihr Mann Marc haben eine riesige Farm in Mangawhai, was 80 Minuten nördlich von Auckland an der Ostküste liegt. Mangawhai hat eine riesige Sanddüne, die vom Meer und einer Lagune umgeben ist. Diese ist normalerweise durch ein riesiges Panoramafenster gut sichtbar. Doch der Regen trübt den Blick, jedoch nicht die Stimmung. Statt besinnlichem Beisammensein in der Familie, entpuppt sich der Nachmittag als ein Spiel- und Spaßtag für die Kinder und Jugendlichen. Insgesamt 25 Personen zwischen 6 und 75 haben sich eingefunden, very casual gekleidet. Familie, Nachbarn und wir haben was zu essen und zu trinken mitgebracht. Die 10 Jugendlichen werden in 2er Teams eingeteilt und müssen verschiedene Wettkampfspiele bestreiten. Unsere Assoziation lautet: Schlag den Neuseeländer;-)



Zum Schluß bekommen alle Jugendlichen die Aufgabe sich zu verkleiden und unter Einbeziehung verschiedener Wörter, eines Liedes und eines Witzes ein Theaterstück zu improvisieren. Wir sind begeistert, welche Mühe sich sowohl die Erwachsenen als auch die Jugendlichen gegeben haben. Und da Melissas Familie sehr musikalisch ist, bekommen wir am Ende tatsächlich auch noch ein Weihnachtslied geboten. Um 19 Uhr machen wir uns auf den Heimweg und verbringen den Rest des Heiligen Abends in trauter Zweisamkeit.

Am ersten Weihnachtstag brauchen wir nicht zu arbeiten. Um 11 Uhr sind wir von Mike und Marija zu Croissants eingeladen und um 14:30 Uhr zu einem späten Lunch. Dazu kommen die Nachbarin Judy mit ihrem Sohn und den zwei Kindern ihrer Tochter. Alle leben in Malaysia und kommen nur ab und an in Judys Haus in der Mahurangi West Road. Es ist wieder ein feucht-fröhlicher Nachmittag mit interessanten Menschen.

Croissant-Frühstück mit Mike und Marija
Am Boxing Day, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, dürfen wir Mike und Marija zu einer weiteren Einladung zu einem frühen Dinner begleiten. John ist einer der ältesten Freunde von Mike. Er und seine Frau Aliston wohnen in West Auckland, was wieder rund eine Stunde Fahrt bedeutet. Die Vorfahren von John sind aus Norddeutschland und um 1840 mit einem der ersten Schiffe von Hamburg aus in Neuseeland angekommen. Stolz zeigt er uns den Stammbaum der Familie Bensemann, die mittlerweile das letzte n im Namen eingebüßt hat. In dieser Runde sind wir zu zehnt und bekommen von der Gastgeberin die Aufgabe, uns alle kurz mit dem was uns ausmacht vorzustellen. Es erfreut uns zutiefst, dass wir wie die anderen Freunde in der Runde in den Kreis ganz selbstverständlich aufgenommen werden.

Heute, am ersten herrlichen Tag, starte ich mit einem Bad in der fünf Fußminuten entfernten Opahi Bay. Das Wasser ist kalt, doch die Sonne wärmt mich schnell auf. Unsere Gastgeber sind auf Segeltour mit Freunden und wir gehen der Garten- bzw. Hausverschönerung nach - mit der Maßgabe alle 15 Minuten die Aussicht zu genießen. Bis 1. Januar werden wir noch bei Mike und Marija wwoofen und danach das fernab der Touristenroute gelegene East Cape umrunden.

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